Sigrid Jacobeit: Das Konzentrationslager Ravensbrück 1939 bis 1945

Plastik zum Gedenken an die Frauen von Ravensbrück, Foto: B. Kauers,2021

Aufbau des Lagerkomplexes

Am preußischen Dorf Ravensbrück, 90 Kilometer nördlich von Berlin gelegen, ließ die SS das größte Konzentrationslager für Frauen auf deutschem Reichsgebiet errichten, das Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück. Die Standortwahl wurde durch drei infrastrukturelle Voraussetzungen begünstigt: Die nahe gelegene mecklenburgische Kleinstadt Fürstenberg lag an der Bahnlinie Berlin-Stralsund/ Rostock; durch Fürstenberg verlief die Reichsstraße 96 mit den Verbindungen zwischen Berlin, Oranienburg, Fürstenberg, Greifswald. Stralsund und darüber hinaus war die Nähe des KZ-Geländes zum Flussverlauf der Havel ein Standortvorteil für künftige Materialtransporte auf dem Wasserweg. Der südlichste Teil des geplanten KZ-Geländes endete am Schwedtsee. Das für den Aufbau des Lagers vorgesehene Areal lag damit natürlich begrenzt und abgeschirmt. geradezu ideal für die Errichtung eines modernen Konzentrationslagers. Ein Häftlingskommando aus dem KZ Sachsenhausen begann im Januar 1939 mit den Aufbauarbeiten. Zudem beauftragte die „SS-Neubauleitung FKL Ravensbrück" Bauunternehmen verschiedenster Gewerke aus Fürstenberg, Ravensbrück und der Umgebung. Am Ausbau des Lagerkomplexes waren aber auch auswärtige Firmen und Konzerne beteiligt.

Mit der Verlegung von 867 weiblichen Häftlingen aus dem Frauen-KZ Lichtenburg, die am 15. Mai 1939 in der Elbestadt Prettin begann und am 27. Mai abgeschlossen war, begann die sechsjährige Zeit des Konzentrationslagers Ravensbrück. Zuvor wurden Frauen, die nicht dem Bild des NS-Regimes entsprachen, als so genannte Schutzhaftgefangene in Abteilungen von Straf- und Haftanstalten gesperrt. Ab Herbst 1933 entwickelte sich in Moringen am Solling das erste zentrale Frauenlager in Preußen, das ab März 1934 auch Frauen aus anderen Provinzen aufnahm. Als Aufsichtspersonal kamen Mitglieder der lokalen NS-Frauenschaft zum Einsatz. Erst im Dezember 1937 erfolgte die Verlegung der weiblichen Häftlinge aus Moringen in das nun zentrale Frauen-Konzentrationslager Lichtenburg. Die Lichtenburg, ein Schlosskomplex der Renaissance, wurde ab 1933 als Männer-Konzentrationslager genutzt. Der Umzug der 1 415 Frauen in die Lichtenburg war mit einer Unterstellung unter die nunmehr etablierte Inspektion der Konzentrationslager, zu der im System der Konzentrationslager alle Männer- wie Frauen-Konzentrationslager gehörten, verbunden. Diese neue Unterstellung ging mit einer deutlichen Verschärfung der Haftbedingungen einher, führte beispielsweise zu Dunkelarrest in Einzelzellen im Bunker der Lichtenburg, Kostentzug, stundenlangem Stehen usw.

Der Aufbau und die Eröffnung des Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück erfolgte erst nach der Errichtung der großen Männerlager Sachsenhausen (1936), Buchenwald (1937). Flossenbürg (1938) und Mauthausen (1938):

In Ravensbrück waren am 27. Mai 1939 970 weibliche Häftlinge als Insassinnen registriert. Wie alle auf der Basis des KZ-Systems geplanten und erbauten Lager widerspiegelte auch das Frauen-KZ Ravensbrück die typische Lagerstruktur, nämlich die um eine Lagerstraße angelegten Barackenreihen zur Unterbringung der Häftlinge, das vorgelagerte Verwaltungsgebäude „Kommandantur". die im rechten Winkel angeordneten Funktionsgebäude (Wasserwerk. Telefonzentrale, Garagen, Werkstätten u. a.) und wiederum vor der „Kommandantur", dennoch in unmittelbarer Nähe zum Lagereingang, die Wohnsiedlung für das SS-Personal, einschließlich der eigens errichteten „Mannschaftshäuser" für Aufseherinnen, alles in allem das typische „KZ-Ensemble". In der ersten Bauphase bis etwa 1940 umfasste das KZ-Areal 12 Wohnbaracken sowie zwei als Revier bezeichnete Krankenbaracken, eine Baracke diente als Strafblock, eine weitere als Lagergefängnis; zwei wurden als Werkstätten genutzt. Hinzu kam auf dem Lagergelände ein Wirtschaftsgebäude mit Küche. Duschtrakt und Wäscherei. Diese Bauten sollten für die Internierung von etwa 3 000 weiblichen Häftlingen ausreichen. Umgeben wurde das Ganze von einer vier Meter hohen Mauer, auf der ein mit Starkstrom geladener Stacheldraht installiert war. Die Baracken - von den Häftlingen „Blocks" genannt - bestanden aus einem A- und einem B-Flügel, so dass auf jeder Seite 100 Schlafpritschen für 100 Frauen untergebracht waren. Neben dem Schlafsaal befand sich auf jeder Seite ein Aufenthaltsraum. In der Baracken-Mitte waren Waschräume und Toiletten untergebracht. Nach dem Überfall auf Polen kamen in den Folgejahren weitere Barackenreihen dazu. 1942 entstand das erweiterte „neue Lager" mit Baracken eines anderen Typs, die aber sehr bald wegen der wachsenden Deportationen aus den überfallenen Ländern nicht mehr ausreichten und zu mehrheitlich katastrophalen Existenzbedingungen für die Häftlinge führten.

Parallel zum wachsenden Bedarf für die Unterbringung von Häftlingen entstanden solche Funktionsgebäude wie ein Wasserwerk, eine Telefonzentrale, ein Klärwerk, eine Trafo-Station, die zur Autarkie des Lagerkomplexes beitrugen. Zur Autarkie trug gleichsam die Fertigstellung eines lagereigenen Krematoriums 1943 bei, das wegen seiner nicht mehr ausreichenden Kapazität 1944 erweitert wurde. Bis dahin wurden die KZ-Toten zur Verbrennung in das Krematorium auf den Friedhof von Fürstenberg gebracht. Bereits Ende 1939 war ein zweistöckiger Gefängnisbau mit 78 Einzelzellen, von den Häftlingen „Bunker" genannt, fertiggestellt. Dass dieser eigens errichtete Zellenbau für besondere Bestrafungen, einschließlich Prügelstrafen und Dunkelarrest, vorgesehen war, zeugt von der Brutalität des Strafsystems im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück. Der „Bunker" wurde fortan zum Schrecken aller Häftlinge. Er wurde 1944 auch zur Inhaftierung einer Vielzahl von so genannten Sonderhäftlingen genutzt, Persönlichkeiten, die unterschiedlichen Widerstandsorganisationen angehörten oder im Zusammenhang mit dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 verhaftet worden waren.

Als Werkstätten und Industrieanlagen entstanden im Verlauf der KZ-Zeit zusätzliche Baracken und Industriebauten im „Industriehof", der ebenfalls in die Mauerumfriedung eingeschlossen war. Hier entstanden Arbeitsräume für die typisch traditionellen Frauenarbeiten, darunter Schneidereien, eine Kürschnerei, Weberei, Strohschuhflechterei, eine Bandflechterei und sogar eine Schusterei. Die Werkstätten unterstanden zunächst dem Lagerkommandanten, später gingen sie als SS-eigene Betriebe in die Zuständigkeit des SS-Verwaltungsamtes über.

Darüber hinaus gehörte zum Lagerkomplex Ravensbrück ab April 1941 ein Männerlager, das vornehmlich als Arbeitskräftereservoir für Handwerksberufe diente solange der Ausbau des Konzentrationslagers noch nicht abgeschlossen war. Im August 1941 waren im südöstlichen Bereich des KZ-Geländes, unmittelbar neben dem Industriehof, fünf Wohn- und eine Wirtschaftsbaracke für das Männerlager fertiggestellt, die trotz steigender Häftlingszahlen bis zur Befreiung keine Erweiterung erfuhren.

Vor allem Häftlinge des Männerlagers errichteten dann das ebenfalls zum Lagerkomplex Ravensbrück gehörende „Jugendschutzlager" Uckermark, das zum 1. Juni 1942 mit zwei Baracken - davon eine für die „Erzieherinnen" und eine für die „Zöglinge" - eröffnet wurde und als „Jugenderziehungslager" für weibliche Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren dienen sollte. Ab Dezember 1944 verfügte die SS eine schrittweise Räumung und damit Auflösung des Jugendlagers. Die Mädchen und jungen Frauen wurden mehrheitlich ins Frauen-KZ verlegt, andernorts in der Kriegsindustrie eingesetzt oder auch nach Hause entlassen. Das Areal des „Jugendschutzlagers" Uckermark wurde fortan zu einem Sterbe- und Selektionslager und damit zur größten Todeszone des Konzentrationslagers Ravensbrück umfunktioniert.

Unmittelbar nebenan und beinahe zeitgleich ließ der Siemens-Konzern auf einem Gelände von etwa 20 Hektar eine Produktionsstätte errichten, die am 24. August 1942 die Arbeit aufnahm. Für die jeweils 675 m2 großen Werkhallen wurden weibliche Häftlinge ausgewählt, die mit einer gewissen Fingerfertigkeit unterschiedlichste Elektrogeräte und Spulen herstellten, die dann im Krieg zum Einsatz kamen. Die Siemens-Kriegsproduktion in insgesamt 20 Werkhallen lief am Standort Ravensbrück so lange bis die Lagerleitung das Siemenslager in der Nacht zum 14. April 1945 räumen ließ. Das Siemenslager bestand aus sechs Unterbringungsbaracken. Bis Anfang Dezember 1944 waren die Frauen in den Baracken des Stammlagers untergebracht. Das Siemensgelände war von einem an Betonpfählen langgezogenen Stacheldrahtzaun und vier Wachtürmen umgeben.

Ebenfalls im Jahr 1942 errichteten weibliche und männliche Häftlinge sowie Firmen der näheren Umgebung das SS-Versuchsgut Ravensbrück am Standort einer alten Hofanlage des 18. Jahrhunderts und wenig später eine Gärtnerei mit einer umfangreichen Gewächshausanlage. Hier ließ die SS im Rahmen ihres Wirtschaftsunternehmens „Deutsche Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung" die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise unter Einsatz von Frauen-Häftlingen probieren und praktizierten.

' *Der Beitrag basiert auf einer Auswahl neuer und neuester Veröffentlichungen zum Konzentrationslager Ravensbrück. Von diesen wurden insbesondere verwendet:

• Bernhard Strebel, "Das KZ Ravensbrück. Geschichte eines Lagerkomplexes", Paderborn/München/Wien/Zürich 2003;

• Grit Philipp, "Kalendarium der Ereig11isse im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück 1939- 1945", unter Mitarbeit von Monika Schnell, Berlin 1999,

• Jack G. Morrison, "Everyday Life in a Woman's Concentration Camp 1939- 1945", Princeton 2000; - Jack G. Morrison. "Das Leben in einem Konzentrationslager für Frauen 1939 - 1945", Zürich 2002,

• "Gedenkbuch für die Opfer des Konzentrationslagers Ravensbrück 1939 - 1945", hrsg. von der Mahn- u11d Gedenkstätte Ravensbrück unter wiss. Leitung von Bärbel Schindler-Saefkow, Berlin 2005;

• "Der Nationalsozialismus im Spiegel des öffentlichen Gedächtnisses. Formen der Aufarbeitung und des Gedenkens (Festschrift für Sigrid Jacobeit)", Hrsg. von Petra Frank und Stefan Hördler, Berlin 2005;

• Annette Leo, "Ravensbrück - Stammlager, in: Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager", Bd. 4 Flossenbürg, Mauthausen, Ravensbriick, hrsg. von Wolfgang Benz und Barbara Distel, München 2006;

• "Die Sprache des Gedenkens. Zur Geschichte der Gedenkstätte Ravensbrück 7 945 - 1995", hrsg. von lnsa Eschebach, Sigrid Jacobeit, Susanne Landwerd (Schriftenreihe der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Bd. 11 ), Berlin 1999. *

Transporte und Deportationen nach Ravensbrück

In das Konzentrationslager Ravensbrück wurden Frauen. Männer und Kinder aus allen Teilen des von den Nazis besetzten Europas verschleppt. Dabei lassen sich auf der Basis von Zugangslisten drei Formen von Einlieferungen unterscheiden:

  1. Sammeltransporte, die sich vor allem auf das „Reichsgebiet" bezogen. Dabei handelte es sich um Häftlinge unterschiedlicher Haftkategorien und Nationalitäten, die vorab in den Berliner Gefängnissen Barnimstraße und Alexanderplatz Station machten, um dann für die Einlieferung in Ravensbrück zusammengestellt zu werden. Die Zugangslisten für diese Transporte vermerken keinen Herkunftsort.

  2. Deportationen, zumeist aus den deutsch-besetzten Gebieten; die Gefangenen werden zuvor an Sammelstellen, lagerähnlichen Einrichtungen oder Gefängnissen zusammengepfercht. Die Zugangslisten vermerken die Deportationen zum Teil als Spezial- oder Sondertransport und deren Herkunftsort.

  3. Transporte aus anderen Konzentrationslagern. zum Beispiel Auschwitz. Hier handelt es sich in der Regel um Räumungstransporte vor den heranrückenden alliierten Truppen. Auf den Zeitraum bezogen konzentrierten sich die „Zugänge" auf vier Phasen: Mai 1939 bis Ende 1942, das Jahr 1943, das mit insgesamt etwa 70 000 Einlieferungen problematischste Jahr 1944 und die Monate Januar bis April des Jahres 1945. Dabei ragt das Jahr 1944 mit mehr als der Hälfte der Gesamtzugänge besonders heraus. Die Gründe der Gefangennahme sind im Wesentlichen politische, .rassische" und sozialrassistische; darüber hinaus benötigte das kriegführende Nazireich mehr und mehr Arbeitskräfte für die Kriegsproduktion. Bei den politischen Häftlingen handelte es sich vornehmlich um Frauen, die Widerstand leisteten, in den Armeen ihrer Heimatländer gekämpft hatten, auf Grund ihrer Nationalität weggesperrt werden sollten. Zu den rassisch Verfolgten oder den „Rasseschändern" gehörten Jüdinnen sowie Sinti und Roma. Im Sinne der „Volksgemeinschaft" sollten „Asoziale" und „kriminelle" Vorbeugehäftlinge „ausgemerzt" werden wie gleichsam so genannte Berufsverbrecher, gemeint waren hier beispielsweise Hebammen, die Schwangerschaftsunterbrechungen eingeleitet hatten und denunziert worden waren.

Kinder im KZ

Die Ravensbrücker Zugangslisten vermerken 881 Kinder im Alter von zwei bis zu 16 Jahren aus 18 Nationen, die zwischen 1939 und 1945 in das Lager eingeliefert wurden. Unter ihnen waren 263 jüdische und 162 „Zigeuner"-Kinder. Die meisten der Kinder kamen mit ihren Müttern, Vätern oder anderen Verwandten in Ravensbrück an. Größere Gruppen von Müttern mit Kindern gelangten erst nach der Niederschlagung des Warschauer Aufstands Ende 1944 in das Lager und im Zusammenhang mit den Deportationen ungarischer und slowakischer Jüdinnen ab dem Jahreswechsel 1944/45. Die Kinder mussten zusammen mit den Frauen zum Zählappell antreten und oft stundenlang stehen. Tagsüber mussten sie in den Baracken bleiben. Ab dem 12. Lebensjahr kamen sie in den Werkstätten zum Einsatz. Die 12jährigen Jungen wurden in das Männerlager verlegt. Für die Lagerleitung waren die Kinder überflüssiger Ballast und unnütze Esser. Dabei quälte der Hunger die Kinder besonders und Erinnerungen daran sind bis heute unvergessen Zahlreich sind die Berichte über „Lagermütter". Dabei handelte es sich um Frauen, die sich einzelner Kinder annahmen und versuchten, ihnen das Überleben zu ermöglichen. In der Tat gelang es einigen Kindern zu überleben.

Die Häftlingskategorien und -kennzeichnungen

Den Verfolgungsgründen sollten die Einteilungen in Form eines jeweils farbigen Stoff-Winkels entsprechen. Jeder Häftling wurde von der einweisenden Behörde des KZ, der „Politische(n) Abteilung", in eine Kategorie eingeordnet; diese Kategorisierung geschah mit einem hohen Grad an Willkür und lässt sich nur als eine unvergleichliche Stigmatisierung beschreiben. Grenzfälle oder Unklarheiten gab es für die SS nicht. Kommunistinnen. Sozialdemokratinnen. Parteilose im Widerstand waren politische Häftlinge und erhielten den roten Winkel. Den roten Winkel erhielten auch - und dies erregte den Unmut der sich als politische Gefangene verstehenden Häftlinge - Frauen, die des „Verkehr(s) mit Fremdvölkischen" beziehungsweise eines „GV-Verbrechen(s)" (Geschlechtsverkehr-Verbrechen) beschuldigt wurden. Die wirklich Politischen titulierten sie geringschätzig als „Bettpolitische". Einen schwarzen Winkel mussten „Asoziale" an ihre Häftlingskleidung anbringen. Dies galt für alle „Zigeunerinnen" ebenso wie für Vorbestrafte; das waren Frauen mit solchen Delikten wie Diebstahl. Betrug, Arbeitsverweigerung, illegale Abtreibung, Prostituierte oder Frauen mit so genannten sexuellen Vergehen, gemeint waren wechselnde Sexualpartner. oder mit Kindern von verschiedenen Vätern. ebenso „kriminelle Vorbeugehäftlinge", die nach einer Gefängnis- oder Zuchthausstrafe in das KZ eingeliefert wurden. Zeuginnen Jehovas (auch „Bibelforscherinnen" genannt). die wegen des 1933/34 verhängten Verbots der Vereinigung der Zeugen Jehovas zu den ersten KZ-Gefangenen im NS-Regime gehörten, trugen einen lila Winkel. Einen grünen Winkel erhielten nur etwa 100 Frauen in Ravensbrück. die „Berufsverbrecher" oder so genannte Sicherungsverwahrte. Sie galten Justiz und SS als „gefährliche Gewohnheitsverbrecher". darunter Hebammen, die Abtreibungen eingeleitet hatten und denunziert wurden. Zwei weitere Häftlingskategorien - blau für heimgekehrte Emigranten und rosa für lesbische Frauen - spielten in Ravensbrück keine Rolle.

Nummernvergabe in Ravensbrück

Zu den tiefsten Entwürdigungen in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern gehörte, dass aus Menschen mit Namen Nummern gemacht wurden. Auch im Frauen- und Männerlager Ravensbrück und im „Jugendschutzlager" Uckermark gab es jeweils eigene Nummernserien. Sie setzten mit den ersten Einlieferungen ein und wurden bis unmittelbar vor der Befreiung Ende April 1945 fortgeführt. Mit der Vergabe einer Nummer sollten dem KZ-Häftling Individualität und Identität genommen werden. Die Nummer sollte den inhaftierten Häftling in der Registratur des Lagers zuallererst ausweisen, nicht der Vor- und Nachname. Der Anstieg der Häftlingszahlen in Ravensbrück spiegelt sich in der Nummernvergabe der Jahre zwischen 1938 und 1945 wider (1938 deshalb, weil mit den aus der Lichtenburg ankommenden Frauen im Mai 1939 deren Nummern übernommen wurden). Somit lautet die erste im Frauenlager von Ravensbrück vergebene Haftnummer 1 104. Die zuletzt eingetragene im April 1945 123 000. Für das Männerlager wurden zwischen 1941 und 1945 insgesamt 19 905 Nummern vergeben.

Gesamtzahl und Zusammensetzung der Häftlinge

Für das Konzentrationslager Ravensbrück existieren keine vollständigen Quellen, um die Zahlen der Häftlinge genau benennen zu können. Es ist aber davon auszugehen, dass dorthin ca. 130 000 Frauen und Kinder sowie 20 000 Männer deportiert wurden. Davon waren

40 000 Polinnen und Polen (34 200 Frauen und 6 423 Männer) 20 000 Frauen und Männer aus der Sowjetunion (Russen, Ukrainer, Weißrussen u. a.) 10 000 Frauen und Männer aus Deutschland und Österreich 10 000 Französinnen und Franzosen 10 000 Ungarinnen und Ungarn 2 700 Frauen und Männer aus Jugoslawien (Slowenen, Serben. Kroaten)
2 500 Belgierinnen und Belgier 2 000 Tschechinnen und Tschechen 2 000 Slowakinnen und Slowaken 1 000 Italienerinnen und Italiener 250 Griechinnen und Griechen 200 Frauen und Männer aus Spanien 150 Norwegerinnen und Norweger 150 Frauen und Männer aus Rumänien 161 namentlich bekannte Luxemburgerinnen

Weiterhin: Frauen und Männer aus Albanien. Bulgarien, Dänemark. Großbritannien. Finnland. Portugal. Schweden. der Schweiz. der Türkei u. a. Ungefähr 15 000 Frauen und Männer der Gesamtzahl waren Juden aus zahlreichen Ländern Europas und ungefähr 4 000 Sinti und Roma. Am 6. Oktober 1942 wurde mit dem Transport der letzten 522 Jüdinnen nach Auschwitz-Birkenau das Frauenlager Ravensbrück gemäß eines Befehls von Himmler „judenfrei" gemacht. Zuvor waren 404 jüdische Frauen im Frühjahr 1942 im Rahmen der Aktion 14 f 13" in die Heil- und Pflegeanstalt Bernburg transportiert und dort in der Gaskammer ermordet worden. Als mit den zunehmenden Kriegsverlusten, dem Vormarsch der Roten Armee und der Landung der Amerikaner in der Normandie der Kriegsmaschinerie mehr und mehr Arbeitskräfte fehlten, wurden Jüdinnen den Firmen und Konzernen geradezu angeboten. Dies galt insbesondere für ungarische und slowakische Frauen, die mit großen Transporten ab Herbst 1944 mehrheitlich über Auschwitz Ravensbrück erreichten, hier nur kurzzeitig verblieben und dann an die entsprechenden Standorte der Kriegsproduktion in Außenlager - von der SS-Terminologie euphemistisch als „Arbeitslager" bezeichnet- verbracht wurden.

Häftlingshierarchie

Die Situation der einzelnen Nationalitäten- und Verfolgtengruppen war im Frauenlager höchst unterschiedlich. Ihr Status innerhalb der „Häftlingsgesellschaft" basierte auf der NS-Rassenideologie, die eine so genannte Werteskala menschlichen Lebens vorgab. Danach rangierten die als „Reichsdeutsche" registrierten Frauen auf der obersten Stufe, jeweils abgestuft gefolgt von Inhaftierten aus skandinavischen Ländern, den Tschechinnen sowie Gefangenen aus den westeuropäischen Ländern, aus Südeuropa und Polen. Häftlinge aus der Sowjetunion nahmen zusammen mit den „rassisch" verfolgten Jüdinnen und den Sinti und Roma die unterste Stufe der Häftlingshierarchie ein. Dass sich diese hierarchische Pyramide im Verlauf der Existenz des Konzentrationslagers änderte, zeigte die Tatsache, dass noch 1939 nach Einlieferung der ersten Polinnen, diese besonderen Schikanen ausgesetzt waren. Mit dem Überfall auf die Sowjetunion und den nun nach Ravensbrück Deportierten nahmen diese Frauen die unterste Stufe der Hierarchie ein. Gleiches gilt für die „NN-Häftlinge" (Nacht- und Nebel-Häftlinge) unter den Französinnen, die ab März 1943 mit fortlaufenden Transporten in Ravensbrück ankamen und die als Angehörige der Resistance nicht nach Frankreich zurückkehren sollten.

Die Häftlingsverwaltung/Das System der Funktionshäftlinge

In allen Konzentrationslagern wurden Häftlinge von der SS für den Aufbau, die Instandhaltung und Erweiterung des Lagers eingesetzt, so auch in Ravensbrück. Häftlinge kamen aber ebenso für Aufsichts-beziehungsweise Kontrollaufgaben zum Einsatz und erledigten Aufgaben in der Verwaltung des Konzentrationslagers. Es handelte sich also um ein Organisationssystem der SS, das einzelnen Inhaftierten bestimmte Funktionen übertrug. Deren Ausführungen wurden von der SS-Lagerverwaltung überwacht.

Das System der Funktionshäftlinge bildete die unterste Stufe der Bewachungshierarchie der Konzentrationslager. Diese „Grauzone" der Macht im Bereich zwischen Opfern und Tätern, die sich im Verlauf des KZ-Systems mehr und mehr etablierte, hat in den KZ-Quellen so gut wie keine Spuren hinterlassen. Auch die Erinnerungen von Funktionshäftlingen - bis auf wenige Ausnahmen - existieren nur als sporadische Sammlungen. Das dem Militärdienst entlehnte Konzept des permanenten Terrors ging auf den späteren ersten Inspekteur der Konzentrationslager, Theodor Eicke, zurück und kam zunächst im KZ Dachau zum Einsatz. Es war Intention des Konzepts, Zusammenschlüsse oder gar Solidarität unter den Häftlingen zu verhindern und nach dem Prinzip „divide et impera" zu handeln. Während das System der Funktionshäftlinge neben Dachau in den Männerlagern von Anfang an zum Einsatz kam, bildete es sich für die „Schutzhaft" -Lager mit weiblichen Gefangenen erst langsam heraus. In Ravensbrück lag die Auswahl der Funktionshäftlinge im Verantwortungsbereich des „Schutzhaftlagerführers" in Absprache mit der Oberaufseherin. Ein- und Absetzung waren von der jeweiligen Stellung innerhalb der Häftlingshierarchie abhängig ... „Reichsdeutsche" Häftlinge, einschließlich der Österreicherinnen, kamen demnach bevorzugt zum Einsatz; ausgenommen waren Jüdinnen, Sinti und Roma.

Funktionshäftlinge wurden in folgenden Bereichen des Lagers eingesetzt: 1. Barackenunterkünfte und Arbeit 2. Versorgung (Küche, Revier etc. ) 3. Schreib- und Registraturarbeiten der Lagerverwaltung An der Spitze des hierarchischen Systems stand die Lagerälteste, auch Lagerläuferin genannt Sie fungierte als verantwortlicher Häftling des Lagers gegenüber der SS und war damit für die Umsetzung der SS-Anweisungen zuständig. Neben der Lagerältesten gab es Block- und Stubenälteste, die für die Ruhe und Ordnung in den Baracken zuständig waren (je Block eine Blockälteste und zwei Stubenälteste), für die Verteilung des Essens, Vorbereitung der täglichen Zählappelle sowie Führung des Blockbuches. Für die Arbeitskolonnen setzte die SS Anweisungshäftlinge ein, deren Aufgabe jener der „Kapos" in den Männerlagern gleichkam. Im Sommer 1942 wurde mit der so genannten Lagerpolizei eine weitere Funktion geschaffen. Die Lagerpolizistin war für die Bewachung der Vorratsbaracken und des Strafblocks zuständig, für die generelle Aufrechterhaltung der Ordnung im Lager sowie für die Übernahme neuankommender Häftlinge. In all diesen Funktionen agierten Häftlinge gewissermaßen als verlängerter Arm der SS. Zu ihrer Kennzeichnung trugen sie Armbinden: Block- und Stubenälteste grüne, die Lagerpolizistin und die Anweisungshäftlinge der Arbeitskolonnen rote, Anweisungshäftlinge des Reviers trugen gelbe. Auf den Armbinden stand die jeweilige Zuständigkeit (z. B. für das Revier stand auf die gelbe Armbinde „Revier“ geschrieben). Wenn auch solche Funktionen bisweilen hilfreich, mitunter lebensrettend sein konnten, war deren Spielraum zugleich höchst gefährlich. Das Risiko der Bespitzelung und Denunziation stand jeder Hilfe entgegen. In der Dienstvorschrift des FKL Ravensbrück heißt es dazu: ,,Kein Häftling darf dem anderen trauen können." So konnten Funktionshäftlinge für Unterstützung ihrer Mitgefangenen einerseits von der SS bestraft und beispielsweise in den Bunker gesperrt werden; andererseits gab es nach der Befreiung als Gerichtsurteil auch die Todesstrafe für die Schweizerin Carmen Mary als Funktionshäftling in Ravensbrück.

Existenzbedingungen zwischen Leben und Tod

Die Existenzbedingungen der Häftlinge in Ravensbrück waren von Raum und Zeit bestimmt und zugleich vom Einfluss der sie umgebenden Menschen. Der begrenzte ummauerte Raum, der strukturierte Tagesverlauf, die unzureichende Ernährung und Kleidung, die immer zu schweren oder monotonen Arbeiten, prekäre sanitäre Verhältnisse und zudem die ständige Angst als Begleiter bestimmten den Lageralltag. Hinzu kam, dass mit dem Anstieg der Häftlingszahlen im Verlauf der KZ-Zeit alle Bereiche der Grundbedürfnisse immer knapper wurden. Das galt für die Unterbringung, für das Essen und für die Kleidung; das galt für die hygienischen und sanitären Bedingungen. Die Jahre 1944/45 werden allgemein als jene der Läuseplage erinnert, als Zeit von Krankheiten, Epidemien und unvorstellbarer räumlicher Enge. Als die Kapazitätsgrenzen der Blocks endgültig überschritten waren, ließ die Lagerleitung Mitte August 1944 in der Nähe der inzwischen vierten Lagerstraße zwischen den Blöcken 24 und 26 ein 50 Meter langes und 20 Meter breites Zelt aufstellen. Zuerst diente es der Unterbringung von Frauen und Kindern, die nach dem Warschauer Aufstand in Ravensbrück ankamen. Ihnen folgten Frauen aus Auschwitz sowie vor allem Jüdinnen aus Ungarn. Im Zelt herrschten entsetzliche Zustände, so dass die Bedingungen täglich überdurchschnittlich viele Opfer forderten. Umso mehr gleicht das Überleben hier im Nachhinein einem Wunder.

Innerhalb der sich im Verlauf der KZ-Zeit rasant verschlechternden Existenzbedingungen wird in den Erinnerungsberichten immer wieder an eine Ausnahme erinnert, nämlich an die Blöcke 1 bis 3 an der ersten Lagerstraße. Hier waren zum einen vornehmlich Funktionshäftlinge untergebracht und zum anderen hatten diese Baracken den Status von Vorzeigebaracken bei Besuchen hoher Chargen des NS-Regimes oder von Organisationen des Roten Kreuzes. Hier schliefen die Frauen bis zum Verlassen des Lagers auf je einzelnen Pritschen, in sauberer Bettwäsche, aßen sie an gescheuerten Tischen, trugen sie saubere Kleidung u. a. m.

Unter den sich für beinahe alle Häftlinge kontinuierlich verschlechternden Existenzbedingungen vollzog sich ein strenger Tagesablaut zwischen dem Schrillen der morgendlichen Sirene, oft stundenlangen Appellen/Zählappellen am Morgen und am Abend, Kampf um die Essensrationen, Einteilung und Weg zur und Rückkehr von der Arbeit bis zur Nachtruhe ab 21 Uhr. Ein wenig mehr „freie" Zeit gab es an den Wochenenden, die für unterschiedlichste Aktivitäten genutzt wurden.

Bekleidung und Verpflegung

Die Ankunftsprozedur im Lager hatte zur Folge, dass den Frauen die Kleidung und ihre gesamte persönliche Habe abgenommen wurde. Sie erhielten die einheitliche Häftlingskleidung: Ein blau-graugestreiftes. sackartiges Kleid aus grobem Nesselstoff, eine Schürze. ein Kopftuch, eine ebenfalls blaugrau-gestreifte Jacke. Für die Fußbekleidung wurden Holzpantinen oder Schnürschuhe mit Holzsohlen ausgegeben. Hinzu kamen zwei Paar Strümpfe, ein Beinkleid, ein Unterrock, zwei Taghemden, ein Gürtel für die Monatsbinden. Sommer- und Winterbekleidung unterschieden sich nur unwesentlich voneinander; vielmehr war die Bindung des Kopftuches jahreszeitlich geregelt: In den Wintermonaten wurde das Kopftuch unter dem Kinn gebunden, in den Sommermonaten hinten im Nacken. Obgleich die Häftlingskleidung in den Ravensbrücker KZ-Schneidereien genäht wurde, stand sie schon ab Herbst 1942 nicht mehr ausreichend zur Verfügung. Neuankömmlinge erhielten private Kleidungsstücke vorher eingelieferter Frauen; diese wurden vorn und auf dem Rücken mit einem großen Kreuz aus Ölfarbe versehen. Die Knappheit von Kleidung und Lebensmitteln veranlasste die SS-Lagerverwaltung, ab Oktober 1942 den Empfang von Paketen zu gestatten. Welche Rolle solche Paketsendungen fortan für eine verbesserte Versorgung, für Solidarität und Überleben wirklich spielten, ist vielfach in den Erinnerungsberichten betont.

Die immer unzureichende Verpflegung in Ravensbrück gehört zu den am häufigsten nachzulesenden und zu hörenden Erinnerungen der Häftlinge. Tatsache ist, dass hinsichtlich der Quantität und Qualität von Jahr zu Jahr eine kontinuierliche Verschlechterung zu konstatieren war. Der im Revier tätige SS-Arzt Percy Treite führte die steigende Todesrate bei den Häftlingsfrauen auf die „ernste Unterernährung" zurück. Die von August 1941 bis Juni 1943 für die Häftlingsküche verantwortliche Aufseherin Helene B. benennt folgende Tagesration: Morgens: einen halben Liter „Kaffee", dazu manchmal Zucker. 300 Gramm Kriegsbrot, dreimal wöchentlich 30 Gramm Margarine; mittags: einen dreiviertel Liter warme Verpflegung (Gemüsesuppe). dreimal wöchentlich 30 bis 40 Gramm Fleisch; abends: einen dreiviertel Liter Getreidesuppe. Dass die Qualität der rationierten Verpflegung weit schlechter war, als die Aufzählung der Aufseherin vermittelt, ist hinreichend bekannt, ebenso wie die Tatsache, dass dies in besonderem Maße für die Suppen gilt. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass der Dauerzustand der schlechten Ernährung, des Hungers, zahlreiche Häftlinge weniger belastete als die permanente Angst vor Bestrafungen, vor Krankheiten, vor dem Tod.

Kranken-,,Betreuung": Das Revier

Zum Barackenkomplex des Frauen-KZ Ravensbrück gehörte am Beginn der ersten Lagerstraße das Krankenrevier, zwei H-förmig miteinander verbundene Baracken, genannt Revier I. 1943 kamen als Revier II weitere danebenstehende und gegenüberliegende Baracken hinzu, in die u. a. Häftlinge mit bestimmten Krankheiten eingewiesen wurden (Tuberkulose. Scharlach, Angina und Typhus). Daneben gehörte zum Revier II eine ab 1944 zunehmende Zahl von Krankenblöcken. Dieser Barackenkomplex war keineswegs ein Ort der Kranken-Betreuung; er war vielmehr ein Ort des Sterbens und Tötens, der Selektionen und Zwangssterilisationen. Er war ein Ort der Schreie und Qualen. Er war auch ein Ort grausamer medizinischer Experimente. Und: An diesem Ort brachten Mütter Kinder zur Welt. Das erhalten gebliebene Geburtenbuch verzeichnet zwischen dem 19. September 1944 und dem 22. April 1945 insgesamt 522 Geburten. Nur wenige der Neugeborenen blieben am Leben.

Das Revier verantworteten SS-Ärzte und SS-Ärztinnen. Sie wurden von Krankenschwestern unterstützt. Ab Herbst 1943 kamen aus den Reihen der Häftlinge Ärztinnen sowie Schwestern zum Einsatz, unter ihnen die Elsässerin Adélaide Hautval und die Tschechin Zdenka Nedvedová, die zuvor in Auschwitz als Häftlingsärztinnen gearbeitet hatten. Eine medizinische Betreuung kam kaum in Betracht, sie blieb vornehmlich auf die Verwaltung des steigenden Elends beschränkt, das die Folge der zunehmenden Häftlingszahlen im Lager war. Wichtigstes Zustandskriterium der Krankenbeurteilung war die Arbeitsfähigkeit - Arbeitsunfähigkeit bedeutete Tod. Zur immer wichtigeren Aufgabe des Reviers entwickelte sich in den letzten sechs Monaten des Lagers die Seuchenbekämpfung, um zuallererst eine Ansteckung des SS-Personals zu verhindern.

Im Revier des Frauen-KZ Ravensbrück kam es unter Leitung des Orthopäden Prof. Dr. Karl Gebhardt zu einer Reihe pseudomedizinischer Experimente an Häftlingen. Diese standen im Zusammenhang mit dem Attentat auf Reinhard Heydrich, Chef des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA), am 27. Mai 1942, in dessen Folge er an einer Gasbrandinfektion gestorben war. Gebhardt wollte die Rolle von Sulfonamiden zur Behandlung von Wundinfektionen nachweisen. Als Versuchsopfer wurden 74 Polinnen und 12 Frauen anderer Nationalitäten bestimmt. Im Lager hießen sie „Kaninchen", sie selbst nannten sich „Königinnen". Die Versuche begannen im Juli 1942 und erstreckten sich bis August 1943. Im Einzelnen handelte es sich um lnfizierungsoperationen, bei denen die Waden aufgeschnitten und die Wunden künstlich infiziert wurden, sowie um zum Teil mehrfach wiederholte Knochen-, Muskel- und Nervenexperimente an den Beinen. Siebzehn der Operierten starben unmittelbar nach den Operationen, davon fünf Polinnen und zwölf Frauen anderer Nationalitäten, sechs weitere wurden erschossen. Die überlebenden Frauen waren von den Wunden und den fortwährenden Schmerzen für immer gezeichnet.

Die Arbeit als Zwangsarbeit/Sklavenarbeit

In den ersten beiden Jahren der Existenz des Konzentrationslagers wurde die Arbeitskraft der Frauen noch nicht systematisch für die Kriegswirtschaft ausgenutzt. Zu jenem Zeitpunkt lagen noch keine Konzeptionen für den Einsatz weiblicher Häftlinge in Konzentrationslagern vor. So erschienen die Arbeiten den Häftlingen oft sinnlos, als Schikanen. In der Mehrzahl dienten sie dem Auf- und Ausbau des Lagers und der Aufrechterhaltung des Lagerbetriebes. Frauen wurden zum Straßenbau eingesetzt, zu Planierungsarbeiten, zum Aufstellen der Baracken, zum Lastenschleppen und Lastenziehen. Andere kamen in Werkstätten des KZ zum Einsatz. Das waren Baracken, wo sie für den Lagerbedarf nähten, webten, spulten, strickten. Damit unterschieden sich die Arbeitseinsätze in Innen- und Außenarbeiten - hierfür liegen zahlreiche „Arbeitseinteilungslisten" vor. Mit dem Ausbau des Industriehofes ab 1942 entstanden große Produktionshallen, u. a. eine so genannte Schneiderei/Weberei, eine Reißerei und Kürschnerei. Hier wurde nicht nur die Häftlingsbekleidung hergestellt, vielmehr auch Uniformen für die Aufseherinnen sowie die Waffen-SS. Die Arbeit von Häftlingen bestand aber auch im Waschen, Bügeln und Reparieren von SS-Uniformen, die von Fronteinsätzen zurückkamen. All diese Arbeiten erfolgten für das SS-eigene Unternehmen Gesellschaft für Textil- und Lederverwertung mbH, die Texled. Sie war das einzige SS-Unternehmen, das seit seiner Gründung am 21. Juni 1940 schwarze Zahlen schrieb, das heißt rentabel wirtschaftete.

Welche Mengen hier von weiblichen Häftlingen aus zahlreichen europäischen Ländern in Tag- und Nachtschichten hergestellt wurden, belegen beispielsweise Zahlen des Geschäftsberichts für das Jahr 1943:

Für die KZ: 798 210 Bekleidung für männliche Häftlinge 706 307 Wäsche für männliche Häftlinge 81 842 Bekleidung für weibliche Häftlinge 70 922 Wäsche für weibliche Häftlinge 3 328 Bekleidung für weibliche KZ-Bewachung

Für die Waffen-SS: 648 517 Neuanfertigung verschiedener Bekleidungsstücke 151 160 Paar Fausthandschuhe

Bezogen auf die Gesamtzahl der weiblichen Häftlinge leisteten im September 1942 etwa 60% von ihnen Zwangsarbeit für die Texled. Trotz steigender Produktion waren die Zahlen der eingesetzten Häftlinge rückläufig, ein Resultat des zunehmenden Einsatzes von modernen Maschinen. Am Ende des Jahres 1943 arbeiteten 3 000 Frauen für die Texled. Sie schildern ihre Arbeit in Tag- und Nachtschichten als Sklavenarbeit. Wie diese sich allein organisatorisch darstellte, wird aus der Tatsache deutlich, dass in den Texled-Werkstätten zunächst in drei achtstündigen Schichten gearbeitet wurde. Nach einem Besuch Hirnmlers am 3. März 1943 in Ravensbrück forderte er die Einführung von zwei elfstündigen Schichten, eine zusätzliche Kräftezehrung für die Häftlinge. Hinzu kam das Arbeitspensum, das zu leisten war, wenn beispielsweise 28 Uniformhosen pro Schicht genäht werden mussten. Diese Norm zu erfüllen war besonders für jene Frauen schwer, die gar nicht nähen gelernt hatten. Erfüllten sie das Pensum nicht, folgten Prügel und andere brutale körperliche Bestrafungen. Das Erreichen des Pensums wurde in zahllosen Fällen aus den weiblichen Häftlingen herausgeprügelt, ohne Rücksicht auf deren schlechte körperliche Verfassung.

Mit der herannahenden Front und dem steigenden Arbeitskräftemangel mussten weibliche KZ-Häftlinge zunehmend in der Kriegsindustrie arbeiten. Ravensbrück entwickelte sich zur Drehscheibe und Durchgangsstation für die zahlreichen in der Nähe von Rüstungsbetrieben gegründeten Außenlager. Die ersten beiden Außenlager entstanden in Grüneberg, 40 Kilometer von Ravensbrück entfernt, und in Neurohlau im Sudetenland. Bis zum Sommer 1944 arbeiteten Frauen des KZ Ravensbrück in etwa 40 Außenlagern. Diese Standorte der Kriegsproduktion unterstanden SS-lnstitutionen, der Wehrmacht (vielfach in Kooperation mit privaten Konzernen) sowie Privatfirmen. Zu den größten Außenlager-Orten zählten die mecklenburgischen Städte Malchow, Neustadt-Glewe und Neubrandenburg, im weiteren „Reichsgebiet" Leipzig, Oranienburg, Eberswalde, Belzig, Genthin sowie die „Genshagener Heide" bei Ludwigsfelde. Tausende von deportierten Frauen leisteten hier Zwangsarbeit für den Fortgang des Krieges; mindestens 90% von ihnen waren Ausländerinnen. Das Frauen-KZ Ravensbrück war das Ziel der Deportation. Hier wurden sie wenige Tage nach der Ankunft den Arbeitskräftebedürfnissen entsprechend den Außenlagern zugeteilt und untergebracht. Da sich die für den Krieg hergestellten Produkte zum Teil gegen ihr Heimatland richteten, kam es zunehmend zu Produktionsstörungen und Sabotage. Nicht wenige Häftlinge bezahlten diese mit ihrem Leben.

Ab 1. September 1944 kam es zu einer Umstrukturierung des Außenlagersystems für weibliche Häftlinge. Ursache hierfür war die ab Frühjahr 1944 rasant gestiegene Zahl von Außenlagern. Ravensbrück musste auf Grund einer Anweisung des Wirtschaftsverwaltungshauptamtes (WVHA) entfernte Außenlagerstandarte an nähergelegene Konzentrationslager abgeben, in diesem Fall an Buchenwald, Flossenbürg, Sachsenhausen und Mauthausen Nach dieser territorialen Reorganisation endete die geographische Zuständigkeit des KZ Ravensbrück nördlich von Berlin. Die Arbeits- und Existenzbedingungen in den einzelnen Außenlagern waren sehr unterschiedlich. Sie wurden von der Art der Beschäftigung bestimmt, von der oben genannten Häftlingshierarchie an sich und zudem von der jeweiligen Firmenleitung, deren zivilen Vorarbeitern und Meistern, die zur fachlichen Anleitung und Kontrolle zum Einsatz kamen, sowie von den eigentlichen SS-Bewachern und Aufseherinnen.

Überlebensstrategien - Überlebenschancen

Die grausame Welt des Mikrokosmos Konzentrationslager war von zahlreichen Umständen begleitet, die Leben oder Tod bedeuten konnten. Entscheidend für das Überleben war zunächst ein starker permanenter Überlebenswille. Er schloss Selbstachtung und Menschenwürde, Selbstbehauptung und solidarisches Verhalten ein und nicht zuletzt die Hoffnung, dass die Feinde besiegt und die Befreiung kommen werde. Die Überlebenskraft konnte unter den todbringenden Bedingungen dazu führen, dass Überlebensstrategien konzipiert und praktiziert wurden, die sich wiederum aus unterschiedlichen Quellen speisten. Eine trotz Verhören und Strafen ungebrochene politische Überzeugung, ein gefestigter religiöser Glaube, ein traditioneller und tief verinnerlichter Patriotismus, aber auch Freundschaften, intellektueller Austausch, intellektuelle und künstlerische Betätigung sowie das Bewusstsein, helfen zu müssen, stärkten die Einzelne oder auch die Gruppe. Insbesondere Hilfeleistungen im Sinne von Solidarität hatten einen ganz hohen Stellenwert, aber zugleich einen äußerst geringen Handlungsspielraum. Unterlassene, weil unter den KZ-Bedingungen unmögliche Hilfeleistungen blieben für manche Überlebende eine lebenslange Last. Dabei orientierte sich solidarisches Verhalten vor allem an nationalen, politischen, religiösen, ethnischen, familiären oder individuellen Motiven, war der „Erfolg" von einem konspirativ agierenden Netzwerk abhängig. Dies galt insbesondere dann, wenn eine Mitgefangene vor der Vergasung bzw. vor dem Tod gerettet werden sollte.

Zu den Überlebensstrategien gehörten unterschiedlichste Formen des Widerstehens gegen die Entmenschlichung und Entwürdigung, aber auch gegen die Vernichtungsabsichten der SS. Alle Verhaltensweisen und Handlungen der Häftlinge, die sich gegen diese Ziele der Machthabenden richteten, sind deshalb gleichsam als Widerstand zu verstehen. Es gab nämlich in Ravensbrück neben dem Überlebenswillen und der solidarischen Hilfe auch mehr oder weniger erfolgreiche Formen des Widerstands. Das waren Protestaktionen, Prämienverweigerungen, persönliche und kollektive Arbeitsverweigerungen bis zur Sabotage als vor allem moralischer Widerstand. Polnische Frauen charakterisierten das so: ,,Sabotage ist wie Wein." Zu den Überlebensstrategien zählten zum einen die Versuche, Informationen über den Verlauf des Krieges zu erhalten, zum anderen Informationen über geplante Mordaktionen oder die immer katastrophaler werdenden Bedingungen nach außen zu lancieren. In einigen Fällen gelang es sogar, in chiffrierten Briefsendungen an Angehörige Mitteilungen auszusenden. Manche Frauen machten tägliche Aufzeichnungen, so die französische Ethnologin Germaine Tillion oder schrieben gar über mehrere Wochen Tagebuch, wie die Luxemburgerin Yvonne Useldinger. Die niederländische Künstlerin Aat Breur zeichnete Porträts von gerade Verstorbenen, um die Tatsache zu dokumentieren. Mit welcher Gefahr solche Dokumentationen verbunden waren und wie gering die Möglichkeiten eines Verstecks dafür, bezeugt der Umstand, dass allein zwischen Januar und April 1945 in Ravensbrück sieben Todesurteile an solchen Frauen vollstreckt wurden (fünf Polinnen, zwei Deutsche), deren Aufzeichnungen die SS entdeckt hatte. Als wesentlicher Bereich der Überlebensstrategien erwiesen sich gerade Gelegenheiten zur künstlerischen Betätigung, musikalischen, religiösen, politischen, zur Fertigung von kleinsten Basteleien, Geschenken, Glückwünschen, zum Unterricht. Alles musste im Verborgenen stattfinden, bedroht von der Angst, von der SS entdeckt zu werden. Und Vieles fand statt, ist abgebildet in winzigen Zeugnissen handwerklich-künstlerischen Könnens, konnte als Büchlein, Zeichnung, Tierfigur oder Kruzifix gerettet werden und wird heute in Ausstellungen der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück gezeigt oder sorgfältig in den Depots verwahrt. Dass diese Welt des geistig-künstlerischen Widerstands Zeit und Orte brauchte, ist immer wieder beschrieben und erzählt worden. So bot die zusätzliche Zwangssituation der Quarantäne Möglichkeiten des Lernens ohne Lernmaterial, des Singens ohne Gesangbücher, des Gedächtnistrainings, auch des Kennenlernens. Auf besonders eindringliche Weise ist es über Jahrzehnte von Ravensbrückerinnen unterschiedlicher Nationen betont worden, dass die Hoffnung zu überleben durch solche und ähnliche Aktivitäten gefördert wurde.

Zwischen Vernichtung und Befreiung

Der Lagerkomplex Ravensbrück verzeichnete am 15. Januar 1945 46 070 weibliche und 7 848 männliche Häftlinge. Etwa zwei Drittel der Männer und mindestens ein Drittel der Frauen befanden sich in einem der 13 größeren Außenlager. Das Stammlager Ravensbrück geriet bis zu seiner Befreiung durch die Rote Armee am 30. April 1945 immer mehr zwischen die Fronten. Zuvor hatten dramatische Transporte und Menschen auf Fußmärschen das Lager erreicht. Die SS ließ Tausende von Häftlingen ermorden. Ravensbrück fungierte in den letzten Monaten seines Bestehens sowohl als Evakuierungs- wie auch als Vernichtungslager. Allein aus Auschwitz trafen Ende Januar/Anfang Februar 7 000 weibliche Häftlinge in Ravensbrück ein. 6 000 männliche Häftlinge kamen Mitte April 1945 aus Mittelbau-Dora und dem Neuengammer Außenlager Watenstedt. Eine so hohe Zahl von Zugängen konnte auch nicht in der Produktion der Außenlager eingesetzt und dort untergebracht werden. Die Lagerleitung versuchte, sich einer Zahl von Häftlingen zu entledigen. Dies geschah über Massentötungen von etwa 10 000 überwiegend weiblichen Häftlingen durch gezielte Unterversorgung, Vergiften durch Luminal (von den Häftlingen „weißes Pulver" genannt) oder Giftspritzen, Erschießen sowie Ermordung in einer provisorisch hergerichteten Gaskammer neben dem Krematorium und auf dem zum großen Teil geräumten Gelände des „Jugendschutzlagers" Uckermark, das zu einem Sterbe- und Selektionslager und damit zur größten Todeszone des Lagerkomplexes umfunktioniert wurde; Verlegungen von mindestens 10 000 Frauen und 4 200 Männern in andere Konzentrationslager und deren Außenlager und auch durch Entlassungen, hier vor allem von 2 200 Polinnen aus dem aufständischen Warschau.

Etwa zeitgleich wurden im Rahmen der Aktion „Weiße Busse" 7 500 weibliche Häftlinge kurz vor dem Kriegsende vom Internationalen, Schwedischen und Dänischen Roten Kreuz befreit und nach Schweden gebracht. Die ersten Busse nahmen Norweger und Dänen mit; es folgten weiße Fahrzeuge mit Französinnen, Belgierinnen. Luxemburgerinnen, Niederländerinnen, Polinnen, unter ihnen auch Jüdinnen und einige Mütter mit Babys. Im letzten Transport nach Schweden, der Ravensbrück am 26. April verließ, befanden sich 3 960 Polinnen. Sie wurden mit dem so genannten Geisterzug auf dem Schienenweg bei Lübeck über die dänische Grenze gebracht. Nach den zahllosen Selektionen, die Ende Januar 1945 begannen, sich zu regelrechten Menschenjagden entwickelten und von SS-Ärzten und Aufseherinnen vorgenommen wurden, folgten die unterschiedlichen Tötungsaktionen als Erschießungen oder Vergasungen. Opfer der Selektionen und damit der Ermordungen wurden nicht nur arbeitsunfähige Häftlinge, sondern auch solche, die graue Haare oder ein zu blasses Gesicht hatten, geschwollene Beine, Krampfadern, Wunden oder Abszesse. Wann genau die Erschießungen und Vergasungen selektierter Häftlinge begannen, ist auf Grund der unzureichenden Quellenlage nicht mehr zu rekonstruieren. Unstrittig ist aber, dass etwa 600 Erschießungen auf der Fläche neben dem Krematorium stattfanden.

Der Beginn der Vergasungen wird auf Ende Januar datiert, ihr Ende im April 1945. Die Lagerleitung war bemüht, die Vergasungen geheim zu halten. Auf nachträglich zusammengestellten Sammellisten wurde für die in der Gaskammer Ermordeten eine Verlegung in das „Schonungslager Mittwerda" deklariert. Ein solches Schonungslager hat aber nie existiert. Eine dieser Mittwerda-Listen ist gerettet worden. Sie wird in Warschau aufbewahrt, verzeichnet 496 Namen (darunter eine Luxemburgerin), vermerkt das Datum 6. April 1945 und ist vom Ravensbrücker Kommandanten Suhren unterschrieben. Die Gesamtzahl der im KZ Ravensbrück durch Vergasungen ermordeten Frauen beträgt 5 000 bis 6 000. Die Gesamtzahl der bislang namentlich überprüften Toten wird im „Gedenkbuch für die Opfer des Konzentrationslagers Ravensbrück 1939-1945" mit 13 161 angegeben. Davon nennt das Gedenkbuch 9 718 Personen weiblichen Geschlechts und 3 443 Personen männlichen Geschlechts. Unter den zugeordneten Nationalitäten konnten bislang Namen von 53 Frauen und Männern aus Luxemburg ermittelt werden. Zuständig für die Vergasungen wie auch die Massenerschießungen in Ravensbrück war ein sechsköpfiges Mordkommando unter Leitung des SS-Hauptscharführers Otto Moll. Moll war aus Auschwitz gekommen, hatte dort Massenvernichtungen verantwortet und war ab Anfang 1945 auch für die Massenexekutionen im KZ Sachsenhausen zuständig.

Parallel zu diesen Selektions- und Mordaktionen versuchte der Vertreter des Internationalen Roten Kreuzes (IRK). Albert de Cocatrix, den Lagerkommandanten Fritz Suhren zu einer Übergabe des Lagers an das IRK zu überzeugen. Suhren berief sich auf einen Räumungsbefehl Himmlers und ließ alle noch gehfähigen etwa 20 000 Häftlinge unter SS-Bewachung aus dem Lager treiben. Am 24. und 26. April bewegten sich die männlichen Häftlinge, am 27. und 28. April die weiblichen Häftlinge in mehreren Marschkolonnen in Richtung Nordwesten. Unterwegs wurden die Kolonnen immer kleiner, denn manche scherten aus der Kolonne aus und flohen, andere wurden erschossen. Einige Häftlinge kamen bis Schwerin, andere trafen nach wenigen Kilometern mit Soldaten und Offizieren der Roten Armee zusammen. Diese Evakuierungsmärsche sind als Todesmärsche in die Befreiungsgeschichte der Konzentrationslager eingegangen. Dabei ist für Ravensbrück nicht auszumachen, wie viele Häftlinge auf diesen Wegen außerhalb des Lagers starben oder ermordet wurden. Zahlreiche Namenlose liegen in Massengräbern auf Friedhöfen in jenen Dörfern, deren Wege die Todesmarschstrecke kennzeichnet.

Etwa 2 000 zum Teil todkranke Frauen und Männer waren in Ravensbrück zurückgeblieben und mit ihnen 10 Häftlingsärztinnen sowie 30 Schwestern und Pflegerinnen aus den Reihen der Häftlinge. Suhren hatte aber auch den Verbleib einiger Aufseherinnen und SS-Bewacher verfügt. Auf sie alle stießen Vorposten der Roten Armee am 30. April 1945. Es waren Militärangehörige der 49. Armee der 2. Belorussischen Font, deren Kampfgebiet nördlich von Berlin lag. Als Militärkommandant für das befreite Lager fungierte Oberst Romasan. Eine Kommission besichtigte das Lagergelände, erstellte bereits am 9. Mai 1945 eine „Beweisakte" und nahm insgesamt 16 Fotos auf, die bis heute nicht aufgefunden werden konnten. Dem Bericht wurden Aussagen ehemaliger Häftlinge „über die Vernichtung und Misshandlung der Gefangenen" beigegeben sowie eine Erklärung zu den medizinischen Verbrechen. Parallel dazu kam es zur Einrichtung eines Militärhospitals für die befreiten, aber kranken Häftlinge und zur Rekrutierung von etwa 800 Frauen aus Fürstenberg, die Aufräumungsarbeiten leisten, die Kranken pflegen und die Toten begraben mussten, die auf zwei Bergen von Leichen lagen und auch nach der Befreiung täglich zu beklagen waren. Wer von den ehemaligen Häftlingen halbwegs transportfähig war, wartete auf den Rücktransport in die Heimat. Nach der Abfahrt der letzten von ihnen im Juli 1945 besetzte die Rote Armee den gesamten Lagerkomplex. Erst nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten 1989/90 und dem Abzug der Truppen auch aus Fürstenberg/Ravensbrück bis zum Februar 1994 wurde das ehemalige KZ-Gelände wieder zugänglich.

Verantwortung für die Verbrechen: Das SS-Personal

Germaine Tillion konnte nach Frankreich zurückkehren. Sie wurde als Zeugin der Verbrechen zum ersten Ravensbrück-Prozess vor einem britischen Militärgericht 1946/47 in Hamburg geladen, bei dem 13 Angehörige des Ravensbrücker Lagerpersonals und drei ehemalige Funktionshäftlinge auf der Anklagebank saßen. Später schreibt sie darüber:

„Da sah ich mich nun schmerzüberwältigt diesen Leuten gegenüber, die so viel Schlimmes getan hatten und die, ein paar Meter von mir entfernt in einer Reihe sitzend, sich nun für jene von Tausenden von Morden zu verantworten hatten ... Da saßen sie, gut angezogen, ordentlich gekämmt, frisch gewaschen und rasiert- ordentliche Leute: ein Zahnarzt, mehrere Ärzte, ein ehemaliger Drucker, Krankenschwestern und einige mittlere Angestellte. Keine Vorstrafen, normale Bildungswege, normale Kinderstuben ... Ganz normale Leute." (Germaine Tillion. Frauenkonzentrationslager Ravensbrück. Lüneburg 1998, S. 156)

Wer waren die Frauen und Männer, die für die Verbrechen gegen die Menschlichkeit im KZ Ravensbrück die Verantwortung trugen und in welchen Organisationsstrukturen praktizierten sie ihr verbrecherisches Tun? Wie alle großen Konzentrationslager zu jenem Zeitpunkt unterstand auch Ravensbrück anfänglich der Inspektion der Konzentrationslager (IKL) und später, mit der Eingliederung der IKL in das Wirtschafts-Verwaltungshauptamt als Amtsgruppe D ab 16. März 1942 und deren vier Ämter (D 1 = Zentralamt. D II= Arbeitseinsatz der Häftlinge, D III= Sanitätswesen und Hygiene. D IV= Verwaltung) wachten diese jeweils über die entsprechenden Abteilungen in den Konzentrationslagern. In Ravensbrück war die Lagerleitung in fünf Abteilungen untergliedert: Kommandantur mit Adjutantur, Politische Abteilung, Schutzhaftlager, Verwaltung und Lagerarzt. Als sechste Abteilung kam 1941 der „Arbeitseinsatz" hinzu. An der Spitze von Ravensbrück stand der Kommandant, der bis zum Frühjahr 1942 als „Lagerdirektor" bezeichnet wurde. Ihm zur Seite stand im Sinne eines Chefsekretärs und Personalchefs der Adjutant. Erster Lagerdirektor des Frauen-KZ Ravensbrück war Max Koegel, der zuvor in der Lichtenburg als Schutzhaftlagerführer Dienst tat. Koegel wurde im August 1942 in das KZ Lublin-Majdanek versetzt. Ihm folgte als Kommandant am 1. September 1942 Fritz Suhren, der diese Funktion bis zur Befreiung einnahm und vorher als Schutzhaftlagerführer in Sachsenhausen zum Einsatz kam. Während dem Kommandanten die Überwachung des gesamten Lagerkomplexes oblag, verantwortete sein Vertreter, der Schutzhaftlagerführer, die Führung des eigentlichen Häftlingslagers. Zu seiner Unterstützung waren ihm eine Oberaufseherin zugeordnet, die gleichzeitig seine Stellvertretung übernahm, und eine weitere Anzahl von Aufseherinnen. Die erste Oberaufseherin von Ravensbrück war, wie in der Lichtenburg, Johanna Langefeld, die im Dezember 1943 von Maria Klein-Plaubel abgelöst wurde. Oberaufseherin war ohnehin die höchste Funktion, die eine Frau zur Bewachung des Frauen-KZ besetzen konnte. Alle rekrutierten Aufseherinnen gehörten zum „weiblichen SS-Gefolge". Sie waren keine Mitglieder der SS und wurden als Reichsangestellte entlohnt. Ihr Handlungsspielraum bewegte sich zwischen manchem Wegschauen und Verständnis für die Situation der Häftlinge bis zur körperlichen Züchtigung, oft mit Hilfe des Wachhundes, den sie mit sich führten, was in einigen Fällen den Tod zur Folge hatte. Als eine der berüchtigsten Aufseherinnen erinnern Überlebende Dorothea Binz, die aus einem Ort in der Nähe Fürstenbergs stammte und sich als Zwanzigjährige freiwillig zum Häftlingsbewachungsdienst gemeldet hatte. Dorothea Binz erhielt im Verlauf des Hamburger Prozesses die Todesstrafe, die vollstreckt wurde. Andere Aufseherinnen kamen unentdeckt oder mit geringeren Strafen davon. Für sie stellte die Arbeit im Konzentrationslager offenbar eine normale berufliche Tätigkeit dar. Sie funktionierten wie ihre männlichen Kollegen gehorsam im System des Terrors und der Verfolgung als vermeintliche „Täterinnen". Im Lagerkomplex Ravensbrück taten zwischen 1939 und 1945 mehr als 2 000 Aufseherinnen Dienst, und es wurden gleichzeitig 3 800 Aufseherinnen ausgebildet, von denen einige andernorts zum Einsatz kamen. Deren Rekrutierungen erfolgten auf drei Wegen: Etwa 10% hatten sich freiwillig gemeldet oder auf Annoncen beworben, ca. 20% kamen über die Vermittlung von Arbeitsämtern in das Frauen-KZ und die restlichen 70% wurden in Betrieben angeworben oder waren die Folge von Dienstverpflichtungen. Untergebracht waren die Aufseherinnen und auch männliches Führungspersonal in den eigens errichteten 22 Häusern der SS-Wohnsiedlung. Diese setzten sich wie folgt zusammen: 4 „Führerhäuser" (für je eine Familie), 10 „Unterführerhäuser" (für je zwei Familien), 8 Aufseherinnenhäuser mit je 10 Apartments. Nur wenige der maßgeblichen männlichen SS-Führer und Unterführer konnten diese Häuser bewohnen; andere wohnten entfernt vom Lagerkomplex, innerhalb der Kleinstadt Fürstenberg. Insgesamt waren neben den beiden Kommandanten 25 weitere Männer als „Abteilungsleiter" und maßgebliche SS-Führer im KZ Ravensbrück tätig. Neben den SS-Führern waren etwa gleichzeitig 50 bis 60 SS-Männer im 24-stündigen Lagerdienst, in der Verwaltung und der äußeren Bewachung tätig.

Verurteilungen durch Gerichtsprozesse

Die im Hamburger Curiohaus zwischen 1946 und 1948 stattgefundenen sieben Ravensbrück-Prozesse hatten sieben Todesurteile gegen männliches Führungspersonal gesprochen, die vollstreckt wurden. Vor Gericht standen aber neben Dorothea Binz auch die Aufseherin Margarete Mewes aus Fürstenberg und als Funktionshäftling die Blockälteste des Tuberkuloseblocks, Carmen Mory. Während Binz und Mory zum Tode verurteilt wurden, verhängte das britische Militärgericht gegen Mewes eine zehnjährige Haftstrafe - Mewes wurde 1952 auf Bewährung entlassen. Fritz Suhren und der brutale Arbeitseinsatzleiter Hans Pflaum erhielten nach ihrer Flucht erst 1949 im Prozess von Rastatt Todesurteile von einem französischen Militärgericht. Ein polnisches Gericht in Krakau verurteilte die Oberaufseherin Maria Mandel, die von Ravensbrück nach Auschwitz versetzt worden war, zum Tode. In der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) fanden 1948 mehrere Prozesse gegen Ravensbrücker Aufseherinnen vor sowjetischen Militärtribunalen statt. Ohne Feststellung einer individuellen Schuld wurden die Angeklagten zu hohen Haftstrafen verurteilt, jedoch meist Mitte der 1950er Jahre begnadigt oder vorzeitig entlassen. Etwa 120 Aufseherinnen des KZ Ravensbrlick internierte der sowjetische Geheimdienst im NKWD-Speziallager Sachsenhausen. Nach der Auflösung des Lagers wurden sie 1950 einem DDR-Gericht im sächsischen Waldheim übergeben und dort in Schnellverfahren zu hohen Haftstrafen verurteilt. Seit 1948 ermittelten deutsche Gerichte in der SBZ gegen Aufseherinnen. Die Urteile fielen hier deutlich milder aus. 1965/66 wurden vor dem Bezirksgericht in Rostock drei Aufseherinnen des KZ Ravensbrück zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt.

Die KZ-Gedenkstätte Ravensbrück

Unmittelbar nach der Befreiung des KZ Ravensbrück und der Rückkehr der Häftlinge in die Heimat entstand bei zahlreichen Überlebenden das Bedürfnis, die Bevölkerung über die geschehenen Verbrechen zu informieren. Es waren vornehmlich „Politische", Frauen, die Widerstand gegen das NS-Regime oder deren Besatzer geleistet hatten, die dazu aufriefen, aus dem KZ gerettete Dokumente, Gegenstände und andere Zeugnisse zusammenzutragen, so genannte Erlebnisberichte zu schreiben, um sie als Ausstellung präsentieren zu können. Parallel dazu fanden ab 1946 alljährliche Gedenkveranstaltungen auf dem Fürstenberger Marktplatz statt. Diese Gedenkveranstaltungen nahmen die Befreiung zum Anlass, um an das Geschehen im Konzentrationslager zu erinnern. Sie entwickelten sich zu einer menschenreichen Manifestation „gegen Faschismus und Krieg", zu einer Begegnung von Überlebenden und Bevölkerung, und sie endete mit einem Zug nach Ravensbrück, wo es auf einer kleinen Fläche am Schwedtsee, außerhalb des sowjetischen Militärarea!s, unterschiedliche Formen des Gedenkens gab. Mit großem Engagement setzten sich unter anderem Frauen aus den deutschen Besatzungszonen, aus der späteren DDR und BRD, aus Frankreich, Luxemburg, Belgien, der Sowjetunion, Polen und der Tschechoslowakei dafür ein, eine Gedenkstätte zu schaffen und diese mit entsprechenden Gedenk- und Informationsmöglichkeiten zu eröffnen. Am 12. September 1959 wurde im Beisein von 1 700 Überlebenden aus 23 europäischen Ländern und 70 000 Bürgerinnen und Bürgern die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück eingeweiht. Als Fläche stand das vom „Buchenwaldkollektiv" gestaltete 3,5 Hektar große Gelände am Ostufer des Schwedtsees zur Verfügung, jener Uferbereich, den die SS benutzt hatte, um die Asche der verbrannten Toten aus dem Krematorium in den See zu schütten. Hinzu kamen das erhalten gebliebene Krematorium selbst, die dort entlanggehende Lagermauer und der Zellenbau, der fortan als Ausstellungsgebäude diente. 1984 kam das ehemalige Kommandanturgebäude zur Gedenkstätte. Es bot in der oberen Etage Platz für eine umfassende Dauerausstellung zum antifaschistischen Widerstandskampf, bezogen auf das Frauen-KZ Ravensbrück. So war die Geschichte des KZ Ravensbrück vor allem auf die deutschen Widerstandskämpferinnen fokussiert, andere Verfolgtengruppen spielten keine oder eine nur marginale Rolle. Der Zellenbau wurde als Ausstellungsgebäude weiter genutzt. Hier erhielten die einzelnen Länder, aus denen Frauen nach Ravensbrück verschleppt worden waren, die Möglichkeit, jeweils einen eigenen Gedenkraum zu gestalten. Dieses Nationenkonzept ist bis heute weitgehend erhalten geblieben, auch wenn einige Länder ihre Räume inzwischen umgestaltet haben. Hinzugekommen sind zum Ende der 1980er Jahre Gedenkräume für jene Verfolgtengruppen, die keinen oder einen erst sehr späten Platz in der Erinnerungskultur von Ravensbrück hatten: Jüdinnen und Sinti und Roma sowie die im KZ Ravensbrück Internierten des Widerstands um den 20. Juli 1944. Unmittelbar nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten entwickelten die Bundes- und die Landesregierung von Brandenburg ein Konzept für eine Gedenkstättenstiftung. Dieses hatte die Gründung der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten zum 1. Januar 1993 zur Folge, zu der die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, die Gedenkstätte und das Museum Sachsenhausen sowie die Dokumentationsstelle Brandenburg gehören. Auf dieser Grundlage war das Erarbeiten und Praktizieren eines neuen Gedenkkonzepts ebenso möglich wie neue Konzeptionen für Forschungen, Sammlungen, Ausstellungen und pädagogisches Arbeiten. Höhepunkte des neuen Gedenkkonzepts waren der 50. und 60. Jahrestag der Befreiung - Gedenkveranstaltungen mit Überlebenden aus aller Welt, die als große Begegnungen auf dem Lagergelände und dessen Umfeld unvergessen sind. Zahlreiche Dauer- und Sonderausstellungen, zum Teil als Wanderausstellungen konzipiert, wurden geboten, die Sammlungen erschlossen und in beträchtlichem Maße erweitert, Forschungen forciert, so dass bis heute eine Vielzahl neuer Erkenntnisse zum Lagerkomplex Ravensbrück und dessen Außenlagern vorliegen. Eine relevante Grundlage dafür sind die ab 1993 aufgenommenen mehr als 200 lebensgeschichtlichen Videointerviews mit Frauen, Männern und Kindern des KZ Ravensbrück unter der Regie von Loretta Walz. Herausragendes Ergebnis dieser biographischen Arbeit ist der zum 60. Jahrestag uraufgeführte 90minütige, mit dem Grimme-Preis gekrönte Film „Und dann kommst du dahin an einem schönen Sommertag. Die Frauen von Ravensbrück" von Loretta Walz und der dazugehörige Begleitband. Zudem ging es nach dem Abzug des Militärs um die Neugestaltung des total umgenutzten und überbauten KZ-Geländes. Und es stand auch die Umnutzung der einstigen SS-Wohnsiedlung zur Disposition. Mit der Umgestaltung der acht Aufseherinnenhäuser zu einer Internationalen Jugendbegegnungsstätte als Jugendherberge und einem Haus für die Überlebenden des Konzentrationslagers vor fünf Jahren wurde ein Vermächtnis jener Polinnen erfüllt, die Opfer pseudomedizinischer Versuche wurden. So ist der Verbrechensort Ravensbrück heute ein Ort der Information, der Erinnerung und des Gedenkens, ein Ort des Nachdenkens, des Lernens, zu allererst ein Ort der Begegnung der Generationen und Nationen.

*Der Beitrag basiert auf einer Auswahl neuer und neuester Veröffentlichungen zum Konzentrationslager Ravensbrück. Von diesen wurden insbesondere verwendet:

• Bernhard Strebel, "Das KZ Ravensbrück. Geschichte eines Lagerkomplexes", Paderborn/München/Wien/Zürich 2003;

• Grit Philipp, "Kalendarium der Ereig11isse im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück 1939- 1945", unter Mitarbeit von Monika Schnell, Berlin 1999,

• Jack G. Morrison, "Everyday Life in a Woman's Concentration Camp 1939- 1945", Princeton 2000; - Jack G. Morrison. "Das Leben in einem Konzentrationslager für Frauen 1939 - 1945", Zürich 2002,

• "Gedenkbuch für die Opfer des Konzentrationslagers Ravensbrück 1939 - 1945", hrsg. von der Mahn- u11d Gedenkstätte Ravensbrück unter wiss. Leitung von Bärbel Schindler-Saefkow, Berlin 2005;

• "Der Nationalsozialismus im Spiegel des öffentlichen Gedächtnisses. Formen der Aufarbeitung und des Gedenkens (Festschrift für Sigrid Jacobeit)", Hrsg. von Petra Frank und Stefan Hördler, Berlin 2005;

• Annette Leo, "Ravensbrück - Stammlager, in: Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager", Bd. 4 Flossenbürg, Mauthausen, Ravensbriick, hrsg. von Wolfgang Benz und Barbara Distel, München 2006;

• "Die Sprache des Gedenkens. Zur Geschichte der Gedenkstätte Ravensbrück 7 945 - 1995", hrsg. von lnsa Eschebach, Sigrid Jacobeit, Susanne Landwerd (Schriftenreihe der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Bd. 11 ), Berlin 1999.

Quelle: „Frauen im KZ Ravensbrück. Im-/Ex-pressionen, Broschüre zur Wanderausstellung Febr. 2008 –Febr.2009 in Luxemburg und Deutschland. Konzipiert und gestaltet von Studierenden und Lehrenden des Bachelor Professionel en Sciences de l’Education –BPSE an der Universität Luxemburg, ISBN 978-2-87964-107-2