Die Geschichte der Rose von Ravensbrück

"Resurrection", Rose von Ravensbrück, Europa-Rosarium Sangerhausen

Die Geschichte der Rose von Ravensbrück beginnt in Lidice. Das war ein kleines Dorf in Tschechien, in dem die faschistischen Okkupanten eine brutale Vergeltungsaktion für ein Attentat tschechischer Widerstandskämpfer auf Reinhard Heydrich durchführten.*

199 männliche Einwohner im Alter über 15 Jahre wurden erschossen, 184 Frauen und Mädchen wurden im Juni 1942 in Viehwaggons nach Ravensbrück deportiert, 79 Kinder wurden in das Ghetto Lodz deportiert und später ermordet, vermutlich in Chelmno. 8 Kinder waren als „eindeutschungsfähig“ angesehen und in deutsche Familien gegeben worden.

Nachdem Lidice zerstört worden war, wurde das Gelände eingeebnet. Sieben Tage später wurde auch die Ortschaft Lesaky zerstört, ihre Bewohner wurden ermordet oder verschleppt.

Nach der Befreiung des Konzentrationslagers Ravensbrück durch die Rote Armee kehrten 143 der Frauen aus Lidice in ihre Heimat zurück.

Mit der Losung der britischen Solidaritätskampagne „Lidice Shall Live“ war bereits ab 1942, unmittelbar nach der Zerstörung des Ortes, Geld für den Wiederaufbau gesammelt worden. Nach dem Wiederaufbau des von den Deutschen zerstörten Dorfes Lidice, wurde zehn Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, am 19. Juni 1955, der Rosengarten in Lidice eingeweiht. Die meisten Rosen wurden aus England gespendet. 32.000 Pfund waren in Stoke-on-Trent für den Wiederaufbau des Ortes und die Anlage des Gartens gesandt worden. Die Gedenkstätte Lidice ist mit ihren Gartenanlagen heute ein internationales Begegnungszentrum und Museum.

Am 11. April 1958, anlässlich des Internationalen Befreiungstages, besuchten ehemalige Häftlinge aus Lidice Ravensbrück, um das Massengrab an der Lagermauer eigenhändig mit 150 Rosen zu bepflanzen.

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„Die Rosen sollen wachsen und blühen. Sie sollen an der Stätte des Grauens den Sieg des Neuen über Tod und Vernichtung zum Ausdruck bringen“, erklärte Marie Jaroschewa aus Lidice. Auf diese Weise begründeten die tschechischen Frauen die Tradition der Rosenbepflanzung des Ravensbrücker Massengrabs. Diese Aktion gab den Anstoß für eine internationale Initiative: Häftlingsverbände aus allen Teilen Europas spendeten Rosen für Ravensbrück. Das Internationale Ravensbrück Komitee hatte diese Idee im März 1958 mit einem Rundschreiben unterstützt und nahm darauf in seinem Schreiben vom 30. Juni 1958 „An die Kameraden der nationalen Widerstandsorganisationen“, das von Renée Mirande Laval und Marga Jung unterschrieben war, nochmals Bezug.

In einem beispielhaften Akt großer Spendenbereitschaft trafen in Ravensbrück Rosensendungen aus aller Welt ein. Die „Amicale des concentrationnaires et prisonnières politiques luxembourgeoises (1940-1945)” schickte bereits Anfang April 1958 Rosenstöcke nach Ravensbrück. Lily Unden, Präsidentin des Verbandes der ehemaligen luxemburgischen Häftlinge erläuterte, die Rosen seien zum Andenken an 40 Luxemburgische Frauen bestimmt, die in Ravensbrück ums Leben gekommen oder an den Folgen der Inhaftierung gestorben waren. Im November 1958 trafen Rosenstöcke aus Ungarn ein; im April 1959 je 100 Rosen aus Dänemark und aus der Sowjetunion.

Doch die Idee, Rosen verschiedener Herkunft in Ravensbrück zu vereinen, musste langfristig scheitern, zu unterschiedlich waren die Pflanzen in Winterhärte und Wuchskraft.

Im Jahr 1973 initiierte Marcelle Dudach-Roset, Mitglied der „Amicale de Ravensbrück“ (Frankreich), die Züchtung einer Ravensbrück-Rose mit dem Namen „Résurrection“ (Auferstehung). Französinnen, die in der Resistance engagiert gewesen waren, wünschten ein Symbol, das ihrem politischen Kampf und ihren Deportationserfahrungen zu größerer Sichtbarkeit verhelfen würde.

Den Auftrag nahm der Rosenzüchter Michel Kriloff (Frankreich) entgegen. Am 30. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Ravensbrück wurde die Ravensbrück-Rose „Résurrection“ erstmals gepflanzt: im Garten der Krypta des Pariser Mémorial de la Déportation pflanzte Anne-Aymone Giscard d’Estaing, die Gattin des damaligen Staatspräsidenten Frankreichs, den ersten Rosenstock. „Die Rose ist Zeugin für die Barbarei des Hitlerregimes. Sie ist die Rose der Hoffung, der Freiheit und des Friedens“, hieß es in der Presseerklärung der Amicale. „Die Amicale wollte Symbole hinterlassen, die unseren Überlebenswillen und Widerstand zeigen“, so Marie-Jo Chombart de Lauwe, Präsidentin der Fondation pour la Mémoire da la Déportation.

Als die Rose zum 60. Jahrestag der Befreiung 2005 erneut sehr gefragt war, standen die Rosenstöcke nicht mehr in ausreichender Zahl zur Verfügung. Seit 2010 wird sie von dem französischen Rosenzüchter Orard (Lyon) erneut gezüchtet.

„Die Ravensbrück-Rose soll zum 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Ravensbrück erblühen“, so die Zielsetzung eines Spendenaufrufs der Amicale de Ravensbrück. Sie hatte mit einem Aufruf „Mille Rosiers a Ravensbrück!!!“ erfolgreich um Spenden geworben. Die Initiatorin der Kampagne, Marie-France Cabeza-Marnet, Mitglied des Internationalen Ravensbrück Komitees, widmete die Aktion ihrer Mutter Angèle Cabeza. „Widerstehen, wiederkommen, wiedergeboren werden, weiterleben, aber leben wie unsere Rose ´Résurrection´.

Tausend Ravensbrück-Rosen hatten Ende des Jahres 2014 dank des außerordentlichen Engagements der Amicale de Ravensbrück ihren Platz gefunden. Auf dem Massengrab in Ravensbrück und an Orten, an denen sich einst Außenlager befanden, werden die Rosen künftig an die Frauen von Ravensbrück erinnern.

Seit ihrer Züchtung 1974/75 wurde die Ravensbrück-Rose an mehr als 600 Orten gepflanzt. Heute wächst sie vor Denkmälern, auf Friedhöfen, in Parks, in Rosarien, auf öffentlichen Plätzen in Frankreich, Tschechien, Norwegen und Deutschland. Sie wächst im Internationalen Rosengarten von Lidice, am französischen Denkmal für Ravensbrück auf dem Pére-Lachaise und auf dem Massengrab vor der Lagermauer in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück.

Quelle: Meggi Pieschel, Insa Eschebach, Amélie zu Eulenburg, „Die Rosen in Ravensbrück. Ein Beitrag zur Geschichte des Gedenkens.“, 2015 Metropol - Verlag

*Anbieter der Rose Résurrection (Rose von Ravensbrück) * Unter dem Stichwort „Résurrection – la rose de Ravensbrück“, kann die Rose beim Züchter unter der folgenden Anschrift zum Preis von 12 Euro pro Pflanze, zuzüglich Transportkosten, bezogen werden: Roseraies ORARD – G.A.E.C.

Au jardin des roses, 56 route de Lyon F 69320 FEYSIN E-Mail: contact@roses-orard.com