Gedenkstätte

Zur Geschichte der Gedenkstätte Ravensbrück (1959-2020)

Die Bemühungen um eine würdige Gedenkstätte in Ravensbrück begannen bereits in den ersten Jahren nach der Befreiung des Lagers. Im Juli 1948 besichtigte ein „Krematoriumsausschuss“ das Gelände des ehemaligen Frauen-KZ, das inzwischen von der Sowjetarmee genutzt wurde. Dem Ausschuss gehörten unter anderem Emmy Handke für das „Ravensbrück-Komitee“ ehemaliger Häftlinge sowie Vertreter der VVN und der Lokalverwaltung an. Das Protokoll der Besichtigung hielt fest, dass das Gelände sich in einem „unwürdigen Zustand“ befände und bis zu einer geplanten internationalen Gedenkfeier am 12. September des Jahres „hergerichtet“ werden müsse. Bereits direkt nach der Befreiung waren Häftlinge, die kurz vor oder nach der Befreiung gestorben waren, in mehreren Friedhöfen in der Nähe des Lagers begraben worden. Anfang der 1950er Jahre wurde ein Grab an der äußeren Lagermauer angelegt. Durch einen Beschluss des ZK der SED im Jahr 1952 über die Errichtung der Gedenkstätten in Buchenwald, Sachsenhausen und Ravensbrück wurde das Gedenken an den historischen Stätten der Konzentrationslager offiziell zur Staatsangelegenheit der 1949 gegründeten DDR erhoben. Es folgte im Mai 1954 die Beauftragung des Architektenkollektivs der Gedenkstätte Buchenwald mit der Gesamtgestaltung auch des Gedenkstättengeländes in Ravensbrück. Zur Entstehung der Gedenkstätte trugen auch Überlebende des Lagers aktiv mit bei. Eine der zentralen Protagonistinnen war dabei Erika Buchmann, die mit Hilfe ihrer vielfältigen freundschaftlichen und politischen Kontakte eine bemerkenswerte Aktivität entfaltete. Diese schlug sich in umfangreicher Korrespondenz mit anderen Überlebenden, Lagergemeinschaften und staatlichen Stellen nieder. So bat sie zum Beispiel im Februar 1958 in einem Brief an die Hamburgerin Katharina Jacob um Erinnerungen an „den Kampf und das Lagerleben der Ravensbrücker“, die in die „Gestaltung des Museums“ und „ein Buch [...] über Ravensbrück“ einfließen sollten. Die „Nationale Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück“ wurde schließlich am 12. September 1959 als eine der drei KZ-Gedenkstätten der DDR eröffnet. Sie umfasste einen Teil des ehemaligen KZ-Geländes und seiner Gebäude, darunter das Krematorium und das Lagergefängnis. Am 12. September 1959 zogen nach offiziellen Angaben 50.000 Menschen von Fürstenberg nach Ravensbrück, nachdem zuvor eine Kranzniederlegung am sowjetischen Ehrenmal in Fürstenberg stattgefunden hatte. Die zentrale Veranstaltung wurde auf dem neu geschaffenen Gedenkstättengelände am Ufer des Schwedtsees abgehalten, wo auf einer Tribüne 265 geladene Gäste Platz fanden. Nach den Begrüßungsworten, die von Aenne Saefkows Tochter Bärbel vorgetragen wurden, hielt Rosa Thälmann die Weiherede, anschließend sprachen Vertreterinnen und Vertreter von 19 nationalen Delegationen. Zur Gedenkstätte gehörte seit 1959 das Lagermuseum im ehemaligen Lagergefängnis. Aus vielen europäischen Ländern stifteten Überlebende Gegenstände, Dokumente, Kunstarbeiten und Zeichnungen aus der Zeit ihrer Inhaftierung. Zu Beginn der 1980er Jahre richteten VertreterInnen der Länder in den Räumen des ehemaligen Lagergefängnis Ausstellungen zu ihrer Verfolgungs- und Haftgeschichte ein. Die ehemalige Kommandantur des Lagers beherbergte ab 1984 die Hauptausstellung der Gedenkstätte, mit dem Titel „Museum des antifaschistischen Widerstandskampfes“. Die Sowjetarmee und ihre Nachfolger nutzten den Großteil des ehemaligen Lager-Geländes bis zum Jahr 1994. Nach der Vereinigung von BRD und DDR wurde die Gedenkstätte 1993 Teil der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, im Zuge der Umgestaltung Anfang der 1990er Jahre wurde die bisherige Hauptausstellung durch zwei neue Ausstellungen ersetzt. In der ehemaligen Kommandantur ist seit 2013 wiederum eine neue Hauptausstellung zu sehen. Auch eines der ehemaligen Aufseherinnenhäuser und eines der „Führerhäuser“ des SS-Personals sind zugänglich. Im September 2019 beging die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück den 60. Jahrestag ihres Bestehens.

Dr. Henning Fischer

Literatur: Insa Eschebach/Sigrid Jacobeit/Susanne Lanwerd (Hrsg.:): Die Sprache des Gedenkens. Zur Geschichte der Gedenkstätte Ravensbrück, 1945-1995, Berlin 1999. Alyn Beßmann/Insa Eschebach (Hrsg.): Das Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück. Geschichte und Erinnerung, Berlin 2013.

Gedenkraum Spanien

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Im ehemaligen Zellenbau auf dem Gelände der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück im Frühjahr 1989 eingeweiht, ist der Raum Teil des Vermächtnisses der mehr als 100 in Ravensbrück inhaftierten spanischen Frauen.

Neus Català i Pallejà, namhafte Kämpferin für das Andenken an alle deportierten Spanierinnen, hatte die Initiative dazu ergriffen. Die Überlebenden selbst übernahmen die inhaltliche Gestaltung; in deren Zentrum steht bis heute die Fahne der Zweiten Spanischen Republik (1931-1939), für die die spanischen Inhaftierten gekämpft hatten.

In einer Vitrine befindet das Buch von Neus Català i Pallejà, „De la resistència i la deportació. 50 testimonios de mujeres españolas“, 1984 in Barcelona veröffentlicht und dort neu aufgelegt in den Jahren 2000 und 2015. 1994 erschien es in Frankreich unter dem Titel „Ces Femmes Espagnoles de la Résistance a la déportation. Témoignages vivants de Barcelone à Ravensbrück“ und in Deutschland, ebenfalls 1994, unter dem Titel „In Ravensbrück ging meine Jugend zu Ende“.

Weitere Bücher in der Vitrine sind die Werke von Mercedes Núñez Targa, „Cárcel de Ventas“, erschienen 1967 in Paris, und „El carretó dels gossos“, erschienen 1980 in Barcelona.

2016 gab der Verlag Renacimiento unter dem Titel „El valor de la memoria“ einen Sammelband heraus, in dem diese beiden Bücher vereint sind.

Die Fotos aus der Zeit des Spanischen Bürgerkrieges 1936-1939 veranschaulichen, mit welcher Begeisterung und Entschlossenheit die Menschen die Zweite Republik unter dem Schlachtruf ¡NO PASARAN! - „Sie werden nicht durchkommen!“ verteidigt haben. Sie erinnern aber auch an das Leid und die Zerstörung, die Francos Putsch über das spanische Volk brachte.

Gezeigt wird ebenso die herausragende Rolle von Dolores Ibárruri (1895-1989), der „Pasionaria“, bei der Verteidigung der Zweiten Spanischen Republik gegen Franco.

Das Gemälde im vorderen Teil ist ein Werk von Angel Hernández, Verteidiger der Zweiten Spanischen Republik und ehemaliger Häftling im Konzentrationslager Mauthausen.

Titelbild Buch Mercedes Nunez Targa
Titelbild Buch Mercedes Nunez Targa

Titelbild Buch Mercedes Nunez Targa

Der italienische Gedenkraum

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Gedenkraum Frankreich

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Der polnische Gedenkraum

Die in das KZ Ravensbrück deportierten polnischen Frauen waren unterschiedlicher sozialer Herkunft, verschiedenen Alters und hatten einen unterschiedlichen Bildungshintergrund. An einem Ort, an dem das Leiden und der Tod tägliche Realität waren, gründeten sie „Mury“ (Mauern) Pfadfinder Selbst-Hilfe-Gruppen und organisierten einen heimlichen Unterricht, in dem ältere Gefangene ihr Wissen mit den jüngeren teilten. Sie waren auch an Widerstandsaktionen beteiligt und widmeten ihre besondere Aufmerksamkeit den „Kaninchen“ – den Gefangenen, die für pseudomedizinische Experimente benutzt wurden. So waren sie ständig bemüht, sie vor der Exekution zu bewahren.

Die Solidarität im Lager und die lebenslangen Freundschaften, die hier ihren Ursprung hatten, waren der Nährboden für das rapide Wachstum an Ravensbrück Clubs, die sich in Polen bereits im frühen Herbst 1945 gründeten. Sie bildeten ein Netzwerk, welches ihnen ermöglichte, sich gegenseitig effektiv zu unterstützen. Jedoch an erster Stelle für die polnischen Überlebenden stand die Bewahrung der Erinnerung ihrer eigenen Erfahrungen und der ihrer ermordeten Kameradinnen. So dokumentierten sie die Verbrechen der deutschen Unterdrücker in vielen Publikationen, z. B. in „Zwyciężyły wartości” (Die Werte siegten) von Urszula Wińska (1985 r.), "Ravensbrück" von Dr. Wanda Kiedrzyńska (1961 r.), "I boję się snów" (Und ich fürchte meine Träume) von Dr. Wanda Połtawska und in der Arbeit eines Autorenkollektivs aus dem Jahr 1968 “Ponad ludzką miarę. Wspomnienia operowanych w Ravensbrück" (Über menschliches Maß. Erinnerungen der operierten Opfer von Ravensbrück). Die Überlebenden wollten Zeugnis ablegen und ihre Werte und Erfahrungen mit den künftigen Generationen teilen.

Die polnischen Überlebenden wollten, dass sich der Horror von Ravensbrück, das Leiden oder Sterben aufgrund der Zugehörigkeit zu einer Nationalität, Religion oder Rasse nicht noch einmal ereignen. Es waren sie, die ehemaligen Gefangenen, die in der Nachkriegszeit, in einer so politisch schwierigen und ökonomisch dürftigen Zeit, in Einigkeit und mit großer Hingabe die Mittel aufgebracht haben, um die Gedenkräume zur Erinnerung an ihre Mitgefangenen, ihre Mütter, Großmütter, Schwestern und die anderen Teuren zu errichten. Alle Spenden für den polnischen Gedenkraum sind in den Archiven des Polnischen Ravensbrück Club registriert. Eine der Eintragungen zeigt die Haltung der Spender, indem festgehalten wird, dass zwei Überlebende, die Bildhauerinnen Zofia Pociłowska- Kann und Wacława Bielecka auf ihr Honorar verzichteten und dass der größte Teil der Arbeit in DIY-Art erledigt wurde.*

Die bedeutendsten Elemente des polnischen Gedenkraumes sind die lebensgroßen Fotografien, die die Resultate der pseudo-medizinischen Experimente zeigen: mehrfach verunstaltete Beine polnischer Frauen, die Daten zu den 74 Frauen, die für Experimente missbraucht wurden, die genaue Zahl der polnischen Gefangenen und Zitate aus den Zeugenaussagen, die von den Überlebenden vor dem Nürnberger Gerichtshof gegeben wurden. Eine große Rolle unter den Ausstellungsstücken im polnischen Gedenkraum spielen sowohl Zeugenaussagen als auch ein Kunstwerk, welches von der bereits genannten Bildhauerin Zofia Pociłowska- Kann geschaffen wurde, einer ehemaligen Gefangenen und weltbekannten Künstlerin.

Die Überlebenden, für die der polnische Gedenkraum einen großen historischen und tiefen persönlichen Wert darstellt, rufen ausdrücklich zur Fortdauer seines originalen Formates und Geistes als Zeugnis von Ravensbrück, vom Leben in Polen während des II. Weltkrieges und bis zur Nachkriegs-Realität auf. Es ist von großer Bedeutung, ihn an die künftigen Generationen in Europa weiter zu reichen: nur durch ein unvoreingenommenes Bewusstsein und das Verständnis der geschichtlichen Schlüsselereignisse, die einst von den verschiedenen Europäischen Nationen geteilt wurden, ist es möglich, eine wirkliche Solidarität eines vereinten Europa zu schaffen.

Die zeitliche Distanz relativiert natürlich die Bedeutung von Ereignissen und Emotionen; indem die heutigen Zeitgenossen sind auf ihre eigenen aktuellen Probleme fokussiert sind und auf die Vergangenheit durch die Filter der Gegenwart schauen, verlieren sie das Verständnis für die historische Realität , die sie oft als unnötige Bürde behandeln. Aus diesem Grund muss, je länger die Erfahrungen der Ravensbrücker Überlebenden zurückliegen, der Ruf nach authentischen Zeugnissen umso stärker sein, damit heutige und die künftige Generationen darauf Bezug nehmen können.

Im Bewusstsein der Erwartungen jüngerer Besucher und neuer Trends der Museologie, schlagen die polnischen Überlebenden vor, dass die neuen Technologien in der Einrichtung des polnischen Gedenkraumes genutzt werden sollen, wobei die originalen Absichten und Inhalte bewahrt werden sollen.

*(zu geringstmöglichen Selbstkosten), “Information über die Entstehung der Ausstellung im Museum des Zellenbaus am Ort des ehemaligen Todeslager Ravensbrück, 1991.“

Hanna Nowakowska, Vizepräsidentin des IRK, Januar 2021

(Übersetzung aus dem Englischen)

Innenansicht des polnischen Gedenkraumes (1)
Innenansicht des polnischen Gedenkraumes (1)

Innenansicht des polnischen Gedenkraumes (2)
Innenansicht des polnischen Gedenkraumes (2)

Polnischer Gedenkraum: Namen der überlebenden polnischen Kinder
Polnischer Gedenkraum: Namen der überlebenden polnischen Kinder

Janucz Rakowicz 2005 im polnischen Gedenkraum der MGR
Janucz Rakowicz 2005 im polnischen Gedenkraum der MGR

Gedenkraum Österreich

In Vorbereitung der Eröffnung der Mahn- und Gedenkstätte im Jahre 1959 waren die Lagergemeinschaften der Länder gebeten worden, Erinnerungen an die Zeit im Konzentrationslager aufzuschreiben und persönliche Gegenstände aus dieser Zeit für ein Museum zur Verfügung zu stellen. Es wurde angeboten, dass jede nationale Häftlingsgruppe nach eigenen Vorstellungen eine Zelle im ehemaligen Bunker ausgestalten könne.

Über das Treffen ehemaliger Ravensbrücker Häftlinge am 17./18. November 1956 in Berlin berichteten Bertl Lauscher und Toni Bruha ihren Kameradinnen in der Österreichischen Lagergemeinschaft Ravensbrück (ÖLGR). Beide waren von der ÖLGR für das Internationale Ravensbrück Komitee als Delegierte benannt worden. Sie informierten darüber, dass der ehemalige Bunker des Lagers Ravensbrück das Museum aufnehmen solle. Im Mitteilungsblatt der ÖLGR vom Juli 1957 hieß es:“ Wir haben … für das Museum, d. h. für die Ausgestaltung unserer Zelle im Museum eine Kommission gebildet. Diese Kommission hat die Aufgabe, alles zu sammeln, was in Österreich überhaupt aufzufinden ist …: Erlebnisberichte aus dem Lager, Bilder von Verstorbenen und Hingerichteten und ihre Lebensbeschreibung, Gedichte, Fotos, Lieder, Zeichnungen und Plastiken, also Dinge, die im Lager entstanden sind. Weiters Erinnerungsstücke, wie Kleider und Wäsche aus dem Lager, Nummern, Winkel, Schuhe, Pantoffel, Essgeschirr, Andenken aller Art. … Außerdem ersuchen wir die Kameradinnen, uns Namen von Künstlerinnen bekannt zu geben, die in der Kommission mitarbeiten möchten.“ ¹

Als Ansprechpartnerin für Fragen zur Ausstellung wurde Hilde Zimmermann bestimmt. Weitere Mitglieder der Kommission waren Toni Bruha, Hanna Sturm, Bertl Lauscher und Valerie Tartar. Die inhaltliche Konzipierung, die Auswahl der Ausstellungsgegenstände, der Fotos und der Texte beschäftigte die Frauen der ÖLGR in den folgend zwei Jahren über alle Maßen. Gemeinsam mit der Architektin Margarete (Grete) Schütte-Lihotzky wurde ein Konzept für die Gestaltung des Museums erarbeitet, in der Hoffnung, dass „in der uns zugedachten Stelle im Bunker eine würdige österreichische Gedenkstätte errichtet wird.“ ²

Für die Einrichtung dieser österreichischen Gedenkstätte standen der ÖLGR zwei Zellen im ehemaligen Bunker zur Verfügung. In der ersten wurden die „Naziumtriebe in Österreich vor 1938“ sowie der Einmarsch der Deutschen in Österreich dargestellt. Auf einer Landkarte Österreichs wurden die Regionen des Widerstandes gezeigt. Besonders hervorgehoben wurde hierbei die Rolle der Frauen im Kampf gegen Faschismus und Krieg, beispielhaft dargestellt anhand der Geschichte zweier Widerstandskämpferinnen aus der Steiermark (Mathilde Auferbauer und Johanna Rainer). Die zweite Zelle war den österreichischen Todesopfern von Ravensbrück gewidmet. Exemplarisch wurden zehn ermordete Kameradinnen mit ihren Biographien vorgestellt. Die Ausstellung stellte außerdem das Konzentrationslager in seiner Struktur und seinen Funktionen vor, zog anhand von Zahlen und Fakten Bilanz über Faschismus und Krieg und mündete in dem Friedenswunsch der österreichischen Frauen der ÖLGR. Grete Schütte- Lihotzky und Hilde Zimmermann kümmerten sich persönlich um die richtige Präsentation der Ausstellungsstücke und -tafeln vor Ort.

Um vielen Österreichern und Österreicherinnen die Möglichkeit zu geben, sich über die faschistischen Greueltaten in Ravensbrück zu informieren, wurde eine Kopie der Ausstellung angefertigt, die jahrelang als Wanderausstellung sehr erfolgreich in Österreich gezeigt wurde. Aufgrund der Erfahrungen, die die Ravensbrückerinnen bei ihren Führungen durch die Ausstellung gemacht hatten, gab die ÖLGR im Jahr 1963 eine Broschüre zum Ausstellungsinhalt mit dem Titel: „Was geht das mich an“ heraus. Am 12. September 1959 wurde die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück feierlich eröffnet. Delegationen, bestehend aus ehemaligen Häftlingsfrauen und ihren Angehörigen aus vielen Ländern, nahmen daran teil.

In den Folgejahren waren die von den Ravensbrück-Überlebenden gestalteten Räume im ehemaligen Zellenbau (Bunker) ein herausragender Anlaufpunkt für Besucherinnen und Besucher der Mahn- und Gedenkstätte, darunter viele Jugendliche. Sie zeigten nicht nur das Grauen und Leiden im Konzentrationslager, sondern auch, wie die Häftlinge versucht hatten, unter extremen Bedingungen solidarisch miteinander umzugehen und dem unmenschlichen faschistischen Regime ihre Menschlichkeit, ihre Würde, ihren Widerstand und ihren Überlebenswillen entgegenzusetzen. 1985 wurde der ehemalige Zellenbau überschwemmt. Teile der Ausstellung wurden zerstört, auch viele österreichische Exponate waren unwiederbringlich verloren. Mitglieder der ÖLGR konnten nur einige wenige Dinge aus dem Schlamm bergen. Der Aufbau einer neuen Ausstellung wurde unumgänglich. Abermals wurden alle Kameradinnen in Österreich gebeten, den Neuaufbau der Gedenkräume mit Erinnerungsstücken zu unterstützen. Hilde Zimmermann war wiederum maßgeblich an der Vorbereitung der Ausstellung beteiligt. Das Konzept der ersten Ausstellung wurde im Wesentlichen beibehalten, einige weitere Inhalte wurden ergänzt. Als Zeichen des Zusammenhalts und der internationalen Solidarität im Lager wurde über die Kinderweihnachtsfeier im Winter 1944 berichtet.

Unterstützung erhielt sie dieses Mal vom Architekten Prof. Ernst Fuhrherr, der die grafische Gestaltung übernahm. Ihre neu gestalteten Gedenkräume konnte die ÖLGR, nur etwa anderthalb Jahre nach der tragischen Überflutung, am 19. September 1986, einer großen Delegation aus Österreich, allen voran die Obfrau der ÖLGR, Rosa Jochmann, präsentieren.³

Rainer Mayerhofer, der für die Arbeiter-Zeitung berichtete, charakterisierte die Ausstellung als „eindrucksvolle Dokumentation, die den Aufstieg des Faschismus in Österreich, von den hausgemachten Anfängen bis zum grausamen Naziregime, darstellt.“ Von ihm stammen auch einige Fotos von diesem Ereignis. Die Österreichische Lagergemeinschaft und Freundinnen (ÖLGR/F) geht davon aus, dass die Nationale Mahn- und Gedenkstätte auch künftig dafür Sorge tragen wird, dass die österreichischen Gedenkräume unverändert auch für die nächsten Generationen der BesucherInnen authentisch erlebbar bleiben – so, wie sie die überlebenden österreichischen Ravensbrückerinnen konzipiert und aufgebaut haben.

Anlässlich eines Werkstattgesprächs in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück vom 24.-26. Oktober 2019 zum künftigen Umgang mit den nationalen Gedenkräumen äußerte die Vertreterin der österreichischen Lagergemeinschaft in deren Auftrag: „…Wir sind uns einig, dass große Veränderungen in der Geschichtsschreibung stattgefunden haben. Jedoch wir wollen unsere Ausstellungsräume in der jetzt vorhandenen Gestaltung erhalten. Für uns handelt es sich um ein Vermächtnis – nicht zuletzt der letzten überlebenden Kameradinnen. Ich nenne sie Kameradinnen, denn als solche bezeichneten sie sich selbst. Die Ausstellungsräume wie sie heute bestehen geben einen Einblick in das politische Geschehen jener Zeit, und wie es so weit kommen konnte, dass solche menschen-verachtenden und menschenunwürdigen Stätten entstanden….Als Kompromiss können wir uns vorstellen, dass neue Gedenkräume in anderen Formen entstehen, doch die Räume im Bunker sollten so, wie sie sind, bestehen bleiben...“

*1. Mitteilungsblatt der ÖLGR vom Juli 1957

*2. ebenda

3. Helga Amesberger, Kerstin Lercher; „Lebendiges Gedächtnis. Die Geschichte der österreichischen Lagergemeinschaft Ravensbrück“, mandelbaum Verlag 2008, ISBN 978-3-85476-254-6*

Dr. Broda und Dr. Litschke eröffnen die Ausstellung, Foto: Rainer Mayerhofer
Dr. Broda und Dr. Litschke eröffnen die Ausstellung, Foto: Rainer Mayerhofer

Hermine Jursa bei der Eröffnung der Ausstellung; Foto: Rainer Mayerhofer
Hermine Jursa bei der Eröffnung der Ausstellung; Foto: Rainer Mayerhofer

Lotte Brainin bei der Eröffnung der Ausstellung, Foto: Rainer Mayerhofer
Lotte Brainin bei der Eröffnung der Ausstellung, Foto: Rainer Mayerhofer

Rosa Jochmann bei der Eröffnung der Ausstellung, Foto: Rainer Mayerhofer
Rosa Jochmann bei der Eröffnung der Ausstellung, Foto: Rainer Mayerhofer

Toni Bruha bei der Eröffnung der Ausstellung, Foto: Rainer Mayerhofer
Toni Bruha bei der Eröffnung der Ausstellung, Foto: Rainer Mayerhofer

Toni Lehr bei der Eröffnung der Ausstellung, Foto: Rainer Mayerhofer
Toni Lehr bei der Eröffnung der Ausstellung, Foto: Rainer Mayerhofer

Hilde Zimmermann 1997, copyright: Nagy Vilmos
Hilde Zimmermann 1997, copyright: Nagy Vilmos